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Verklärung und Kreuz

Der Berg Tabor, auf den wir mit dem heutigen Festgeheimnis hinaufsteigen ragt aus der Jesreel-Ebene in Galiläa in bestechender Form heraus. Er sieht bisschen aus wie eine Parabel-Kurve, erwachsen wie aus einer mathematischen Formel auf einem Koordinatenkreuz.

Dort auf dem Berg Tabor, bei der Verklärung erklingt eine klare Ansage Gottes: Mein geliebter Sohn! Hört auf IHN! – Einfach. Fokussiert. Eine Art von Kurzkatechse für jeden, der fragt, wie das geht mit dem Glauben und einem Leben im Angesicht Gottes: Jesus. – Auf IHN schauen. Auf IHN hören. In Seinen Spuren gehen, IHM nachgehen, von Seinem Beispiel lernen.

Das klingt so banal und einfach, wie es herausfordernd ist. – Nachfolge Jesu ist nicht einfach und klar: Auch wenn wir es wollen und uns darum bemühen, scheitern wir doch oft genug an unseren Schwächen und Grenzen. Und auch unser Umfeld macht es uns nicht immer leicht.

Ein sprechendes Bild für diese Spannung ist das Kreuz. Bis heute ist es, wie schon Paulus formuliert, „für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit“ (1Kor 1,23). Das hat auch im Jahr 2023 immer noch historische Gründe, weil im Namen und im Zeichen des Kreuzes auch unfassbares Leid und Unglück über Menschen gebracht wurde. Das ist ein Erbe, das wir als Kirche nicht leugnen können, das uns herausfordert, und das eine Sensitivität und Wachsamkeit erfordert.

Gleichzeitig aber ist es für uns als Christen das Zeichen des Heils schlechthin. – Im Wissen um all das Schlechte und Gescheiterte, das Verwundete und Zerbrochene in uns und um uns ist das Kreuz das Zeichen dafür, dass es eben nicht beim Schlechten und Gescheiterten, bei den Verwundungen und Brüchen in uns und um uns bleibt, sondern dass Gott in Seiner Liebe und Barmherzigkeit all das barmherzig anschaut und vorsichtig in Seine Hand nimmt, dass ER es hält und heilt.

Man kann das Tabor-Ereignis, die Verklärung Jesu ja auch durchaus als eine Art nachösterlicher Erzählung verstehen: Die drei Jünger verlassen auf ausdrückliche Einladung Jesu für eine Zeit die Ebene des Alltags, steigen auf den Berg mit IHM. All die Sorgen und Fragen, die werden dann in diesem wunderbaren und unerschaffenen Tabor-Licht eingefangen. Das Gesetz der Alten, in der Gestalt des Moses, und die Prophezeiungen des Heils, in Gestalt des Elija, werden eins mit der neuen und befreienden Botschaft des Evangeliums in Jesus, dem Verklärten. Dem geliebten Sohn. Schaut hin. Hört auf IHN! ER trägt unsere Wunden und sie sind angenommen, verklärt.

Wir feiern an diesem Morgen und durchaus bewusst die erste Eucharistie unter unserem neuen Kreuz hier in der Dormitio-Basilika. – Ein Novum. Soweit ich es aus den wenigen Fotos der Vergangenheit erkennen kann, gab es noch nie ein Hängekreuz im Altarraum unserer Kirche. Kreuze, die auf dem Altar standen oder daneben, die gab es immer. Nun haben wir über dem Altarraum und der ganzen Kirche ein Kreuz, fast schwebend. Das mag für manche unserer Besucher und Gäste, die ja nicht nur aus dem christlichen Umfeld kommen, ein Ärgernis sein. Das müssen wir ernst nehmen. Und es ist für unsere Klosterfamilie eine Herausforderung, dass wir mit unserem Leben hier auf dem Zion, mit unseren verschiedenen Diensten und Aktivitäten im Kloster und darüber hinaus immer wieder auch ein Zeugnis dafür geben, dass das Kreuz dafürsteht, dass wir alle angenommene Kinder Gottes sind. Dass es eine Hoffnung für alle gibt. Dass für uns als Christen das Kreuz nicht eine Waffe ist, sondern mehr ein Brückenpfeiler, der verbinden will: Uns Menschen mit Gott. Uns Menschen untereinander. Mich Menschen mit mir selbst. – Wenn man unser Kreuz von unten anschaut, kann man eine solche Brückenpfeiler-Funktion durchaus erahnen.

Ein Kreuz auf dem Zion, ein Kreuz im Heiligen Land. – Dieses Kreuz verankert nun gleichzeitig auch unsere Mönchsfamilie mehr im Heiligen Land. Wir haben bewusst Olivenholz als Material gewählt. Auch wenn es nicht das typische Bauholz im Heiligen Land ist, ist der Olivenbaum doch ein sehr sprechender Baum in diesem Land: die zur Noahs Arche zurückkehrende Taube; die uralten Bäume überall hier im Land, nicht zuletzt im Garten Getsemani; die große Bedeutung und vielfache Nutzung der Olivenfrüchte und des Olivenöls; die politische und emotionale Brisanz, wenn Olivenhaine ausgerissen oder abgebrannt werden. – Der Olivenbaum ist ein Kind dieses Landes.
Kinder dieses Landes sind auch eng an der Entstehung unseres Kreuzes beteiligt, womit Glaubensgeschichten zu erzählen sind: Das Holz für unser Kreuz stammt aus Tabgha. Vor etlichen Jahren hatte man uns für dort ältere Olivenbäume gestiftet, die in Tabgha leider nicht angingen. Das Kreuz-Projekt war nun eine Chance, diese Bäume dennoch zu würdigen. Ich habe unseren Tabgha-Baumann Khalil Dowery aus Nazareth um Hilfe gebeten, die Bäume zu sichten und zu schneiden. Im Laufe der folgenden Gespräche hat Familie Dowery dann entschieden, die komplette Herstellung des Kreuzes selbst in die Hand zu nehmen und zu finanzieren. Damit hat Khalil, der in Tabgha so ziemlich alles gebaut und renoviert hat, nicht nur zu Beginn seiner beruflichen Karriere das vergoldete Metallkreuz auf dem kleinen Dachtürmchen der damals neuen Brotvermehrungskirche gestiftet, sondern jetzt, beim Eintritt in den Ruhestand, auch dieses neue Kreuz im Altarraum der Dormitio. Überdies: Jene Familie, die seinerzeit die Bäume nach Tabgha gestiftet hatte, ist eng mit dem Schreiner verwandt, der unser Kreuz gefertigt hat. – Bauleute aus Nazareth, ein Kreuz aus galiläischem Olivenholz, in unserer Mitte.

Entworfen hat das Kreuz unser Projektarchitekt Martin Struck. Er greift dabei in allen drei Dimensionen die Maße der Mensa des Altares auf. Länge, Breite und Tiefe der großen Steinplatte auf dem Altar spiegeln sich fast auf den Millimeter genau im Olivenholzkreuz. Das Kreuz an sich ist einfach und klar. Keine zusätzliche Ornamentik, auch kein Corpus. Nur das Kreuz, die sich durchstoßenden Achsen horizontaler und vertikaler Bewegung, Himmel und Erde. Die Seiten sind leicht geschwungen. Sie beschreiben eine mathematisch-geometrische Parabel in ihrem Beginn. – Unsere Glaubens- und Lebensgeschichten prägen sich im Kreuz unseres Herrn ab, drücken sich gewissermaßen aus den Ebenen unseres Alltags in die Ebene des Kreuzes hinein. Wie der Tabor sich aus dem Heiligen Land in den Himmel und in das Licht Gottes erhebt.

Mit der Eucharistiefeier an diesem besonderen Festtag der Verklärung des Herrn stehen wir jetzt bewusst unter diesem Olivenholzkreuz und gleichzeitig auf dem Tabor. Unser Kreuz wird über Tag vom Licht der Jerusalemer Sonne durch unsere Onyx-Fenster gestreift: Ein Bild unserer Sehnsucht nach Heil und Heilung, nach Gottes Nähe. Der Berg der Verklärung erstrahlt im unerschaffenen Tabor-Licht: Gottes Liebe und Nähe umfasst den Sohn, die Patriarchen und Propheten, die Apostel und alle anderen, die auf Jesus schauen und auf IHN hören. ER ist mitten unter uns. Im Zeichen des Kreuzes. In Seinem Wort. Im Brotbrechen. In unserem Bruder und unserer Schwester. „Wie ein Licht,das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in [unserem] Herzen“ (vgl. 2Petr 1,19).

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Pater Basilius und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Die entscheidende Bitte

Hand aufs Herz: Was würdest Du Dir für Dein Leben wünschen, wenn Gott zu Dir heute wie zu König Salomo sagen würde: „Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll!“?

“Hauptsache gesund: Das ist das Wichtigste! Gesundheit und ein langes Leben!” – “Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts!” – “Ich wünsche diesem arroganten Pinsel, dass er mal richtig auf die Nase fällt!”

Sätze, die ich in diesen Tagen hier und da immer wieder aufschnappe und mir selbst auch schonmal über die Lippen gekommen sind. Wünsche übrigens, die mindestens knapp 3000 Jahre auf dem Buckel haben und wohl zum Urgestein menschlichen Wünschens gehören – Wünsche, die in der heutigen Ersten Lesung überhaupt nicht gut wegkommen!

Diese Wünsche wirken auch alle ziemlich tragisch eng und klein angesichts der Sterblichkeit von uns Menschen: Die beste Gesundheit und das längste Leben kommen im Tod abrupt zum Ende, genauso wie auch aller materieller Besitz in einem Mal verpufft und im Tod wertlos wird – dasselbe gilt exakt auch für meine Mitmenschen, ob ich sie mag oder nicht.

Wie anders ist da der Wunsch Salomos nach einem hörenden Herzen, nach einem besseren Verstehen- und Unterscheiden-Können, nach einer größeren Sensibilität und wacheren Aufmerksamkeit für Recht und Gerechtigkeit und für die Freude, Hoffnung, Trauer und Angst der Mitmenschen! Diese Gott- und Menschensuche, die zu einem Mehr an Liebe führt, endet nämlich nicht im Tod, sondern findet Ihre Vollendung im ewigen Leben bei Gott, auf das wir hoffen dürfen. Die Liebe ist nämlich stärker als der Tod!
Also, Hand aufs Herz: Was würdest Du Dir für Dein Leben wünschen, wenn Gott Dich heute wie König Salomo fragen würde?

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Abt Nikodemus und alle Brüder in Jerusalem und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Unrentable Landwirtschaft

Das heutige Evangelium ist mir von Kindesbeinen an vertraut. Aber schon damals habe ich mich gewundert: Hat Jesus denn keine Ahnung von Ackerbau?

In dem Gleichnis steht, dass ein Teil der Körner auf den Weg fällt und von den Vögeln gefressen wird. Ein zweiter Teil fällt auf den felsigen Grund, kann nicht wurzeln und verdorrt, sobald es heiß wird. Ein dritter Teil fällt unter die Disteln und erstickt. Nur der vierte Teil fällt auf guten Boden und bringt gute Frucht. Nur ein Viertel gelingt! – Das ist doch unrentabel! So zu wirtschaften ist doch verrückt!

Bei uns im Dorf gab es mehrere Bauern und auch unsere Familie bewirtschaftete als Nebenerwerb einige Felder. Obwohl ich noch ein Kind war, wusste ich damals schon, dass man vor dem Säen den Acker zuerst bereiten muss. Man muss ihn von Steinen und Disteln reinigen, ihn pflügen und dann Furchen ziehen. Erst danach kam die Aussaat. Zuerst streut man vorsichtig am Rand, der an die ausgetretenen Pfade angrenzt, einige Körner aus – ganz vorsichtig, damit nichts verlorengeht. Danach erst wirft man die restliche Saat großzügig in der Mitte aus.

Ich kann mich noch gut an die Plastikschale zum Umhängen erinnern, mit der meine Eltern sowohl die Körner als auch den Dünger auswarfen. Danach wurde der Acker nochmals gepflügt, damit die Körner wirklich in den Ackerboden kamen; sonst hätten die Vögel sie ja direkt weggepickt. Nur so konnten die Weizenkörner wachsen und nur so konnte man später ernten. So arbeiteten wir damals auf dem Feld – und nicht so unvernünftig wie im heutigen Evangelium, im Gleichnis Jesu.
In meinem Theologie-Studium lernte ich dann später, in einer Vorlesung, dass jedes Gleichnis eine Bildseite und eine Auslegungsseite hat. Das Bild stamme meistens von Jesus und die Auslegung im Evangelium sei eine spätere Hinzufügung der frühen Christengemeinden – und die Auslegung sei: Dem Bild vom Säen und den verschiedenen Böden entspricht das Wort Gottes und die verschiedene Aufnahmebereitschaft der Zuhörer und Menschen. Und ich lernte auch, dass man diese Auslegung „objektiv“ nennt, da die verschiedenen Böden verschiedenen Menschen entsprechen. Mir fiel dann damals im Studium zu jedem Boden einige Personen aus meinem Bekanntenkreis und der Pfarrgemeinde ein: manche bei denen das Wort Gottes wie an einer Wand abprallte; manche bei denen es ankam, aber nur oberflächlich und dann bei Gegenwind verschwand; bei manchen fasste das Wort schon etwas Fuß und Festigkeit, dann aber kamen die Sorgen des Alltags und auch die kleinen Lüftchen des Tages und der Nacht und der gute Beginn wurde abgewürgt. Und ich rechnete mich natürlich zu den Menschen, die wie ein fruchtbarer Boden sind. Doch ich lernte auch, dass es noch eine zweite, eine sogenannte „subjektive“ Auslegung gibt. Alle diese unterschiedlichen Böden, bzw. Aufnahmeweisen gibt es auch in mir, in mir als Subjekt! Manchmal geht das Wort Jesu in ein Ohr hinein und aus dem anderen hinaus, manchmal ist man gerührt und betroffen, aber bald darauf ist alles vergessen, manchmal kann das Wort keine Wurzeln schlagen, weil ich mit anderem beschäftigt bin und nur manchmal bin ich aufmerksam und höre und es fruchtet…. Ja diese verschiedenen Haltungen sind auch meine Reaktionen auf die Worte Jesu und oft schäme ich mich deswegen, weil ich doch nur der gute Boden mit viel Frucht sein will.

Diese Unterscheidungen zwischen Bild und Auslegung, zwischen objektiver und subjektiver Auslegung lösten aber nicht mein Problem des scheinbar unrentablen und unvernünftigen Säens: Einfach so das Saatgut durch die Gegend zu werfen, ohne den Boden bereitet zu haben, ohne den Acker gereinigt zu haben, ohne zu achten, wohin die Körner fallen – das blieb doch unvernünftig und unrentabel. Und dann hat mir vor ein paar Jahren die Auslegung des Gleichnisses durch den Karmeliten Reinhard Körner die Augen und Ohren geöffnet. – „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“

In diesem Gleichnis des Matthäusevangeliums – dem ersten nach der gewaltigen Bergpredigt, der Jüngerunterweisung und -aussendung und nach den vielen unglaublichen Heilungen – erzählt Jesus von sich selbst! All seine Worte und Taten sind nicht nur auf offene Ohren gestoßen, sondern auch auf heftige Ablehnung. Jesus befindet sich einer brenzligen Lage. Wie wird es weitergehen für ihn? Der Bauer, dieser Sämann ist Jesus selbst. In den Augen der vielen sind er und sein Tun verrückt, unvernünftig und lachhaft. Was er zu sagen hat, sät er aus, gelegen oder ungelegen, so schwungvoll wie er nur kann und er wendet sich jedem zu. Er kümmert sich nicht ängstlich darum, ob und wie die Saat aufgehen wird. Er pflügt nicht zuerst die Herzen seiner Zuhörer und reißt auch nicht die Disteln und Dornen aus deren Köpfen aus. Er schaut nicht, wo die Grenze des Ackers ist und wo der festgetretene Trampelpfad beginnt. Er prüft nicht, ob die Hörer genug Tiefe haben. Er spricht und sät – die Zeit, zu sagen was er zu sagen hat, ist da. Und er weiß: Was er aussät, wird reiche Frucht bringen, denn das, was er aussät, ist die Wahrheit.

Diese Auslegung hat mich nachdenklich gemacht und berührt! Und ich habe sie wieder gespürt: den Acker in meinem Herzen, die Disteln und Dornen in meinem Kopf, die eingefahrenen und ausgetretenen Trampelpfade in meinem Tun. Gottes Barmherzigkeit ist überreich. Gottes Güte ist unvernünftig. Gott bedenkt nicht, ob etwas rentabel oder vernünftig ist. Er handelt voll Erbarmen – an all seinen Geschöpfen. Ich bewundere diese Hoffnung, diese Zuversicht im Säen Gottes! Und ich bin mir sicher: Was Gott aussät, wird Frucht bringen – reiche Frucht, überreich, auch wenn es auf den ersten Blick unglaublich und unvernünftig erscheint!

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Pater Elias und alle Brüder in Jerusalem und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Freue Dich!

Es weht ein bisschen Advent und Weihnachten durch diesen Sonntag: Der Prophet Sacharja singt mit uns: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir!“

„Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem…“ – Und das Echo klingt bis in den Palmsonntag: Dein König, „demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin“.

Das könnte jetzt, mitten im Sommer und in der Urlaubszeit, kitschig werden, deplatziert sein. – Aber die Worte des Propheten treffen in unsere Zeit mitten hinein: Der kommende „König wird den Nationen Frieden verkünden“, Streitwagen und Kriegsbogen werden ausgemerzt. Was für eine große Vision! Wie viele Menschen dieser Tage möchten dieses Lied mitsingen, möchten in dieser Hoffnung in die neue Woche, in eine neue Zeit gehen! Hier im Heiligen Land, in dem sich die Gewaltspirale zwischen Israelis und Palästinensern immer weiterdreht und -windet, in dem selbst die innerisraelischen Konfliktlinien mit immer mehr Gewalt markiert werden. Vom Krieg in der Ukraine und den Kreisen um ihn herum ganz zu schweigen.
Aber wir dürfen Sacharja auch direkt in unser Leben hineinrufen lassen: Sacharja, seine Visionen, seine Botschaft sind getragen von der Zuversicht auf das kommende Heil. Juble! Jauchze! Der König kommt zu dir! Zu Dir! – Man kann darin eine der möglichen Verdichtungen des biblischen Gottesglaubens sehen: Gott will unser Heil, und ER sieht auf jeden einzelnen Menschen, kennt ihn oder sie mit Namen. Zu Dir! Dein König! ER kennt Dein Leben mit allen Problemen und Brüchen, ER weiß um das Böse, was Du getan hast, ebenso wie um das Böse, das andere Dir zufügen. Dieser König ist keine Vertröstung, kein „Opium für das Volk“. ER kommt zu uns, ist der Immanuel. In der Krippe von Bethlehem und im brennenden Dornbusch, beim Einzug in die Heilige Stadt Jerusalem und beim Durchzug durch das Rote Meer, im Olivenzweig nach der Sintflut und im Holz des Kreuzes auf Golgotha, am Morgen der Schöpfung und in der aufgehenden Sonne des Ostermorgens.
2000 plus X Jahre Theologie und Tradition, aktuelle Diskussionen um den Kurs des Kirchenschiffes, Strukturdebatten und Vertrauenskrisen lassen das vielleicht nicht immer erkennen. – Jesus aber weiß, wie sehr der „Vater, Herr des Himmels und der Erde“ die Menschen liebt, wie sehr ER das Heil der Menschen will. „Vor den Weisen und Klugen“ scheint das manchmal „verborgen“ zu bleiben, aber den „Unmündigen [wird es] offenbart“. Es geht in der Geschichten Gottes mit Seinem Volk, mit jedem Einzelnen, um die Mühseligen und die Beladenen, es geht um Erleichterung und Hilfe, um Heil, um Frieden und Gerechtigkeit, um Ruhe für die Seele. – Das muss vielleicht gar nicht viel weiter ausgeführt werden.
Nehmen wir die klaren Worte Jesu und des Propheten Sacharja einfach mit in die neue Woche, als Erinnerung und Zuspruch: Freue Dich! Ich komme zu Dir! Bei mir findest Du Ruhe für Deine Seele.
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Pater Basilius und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Kein billiges Danke

Was tat eigentlich ein Mensch, der sich vor zweitausend Jahren von Göttern und Idolen abwandte und in die christliche Gemeinschaft eintrat? Er vollzog einen radikalen Bruch mit seiner Umgebung. Er ließ sich mit ihr auf eine Auseinandersetzung ein, nicht selten auf Leben und Tod. Denn ein Eintritt in die christliche Gemeinschaft bedeutete nicht, eine Meinung neben vielen anderen möglichen zu haben; sondern es war eine Lebensentscheidung, eine Lebenswende - und zwar in dem Sinn, dass dieser Mensch sich zum Glauben an den einen Gott bekannte und zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem Erlöser; und dass er sich abwandte von dem, was bislang Lebenssinn und Lebensinhalt war.

Sind wir uns bewusst, dass damit auch eine Gesetzmäßigkeit unseres eigenen Lebens als Christin und Christ angesprochen wird? Sind wir uns der Wende der Existenz bewusst, die mit unserem Glauben verbunden ist? Glauben bedeutet nicht bloß die Aufzählung von Lehren und Richtigkeiten, nicht bloß ein Annehmen von Theorien über Dinge, über die man an sich nichts weiß. Glaube im christlichen Sinn meint das Ja zu Jesus als Christus, als Erlöser, als Heil. Unsere Erlösung ist am Kreuz geschehen und sichtbar geworden. Christlicher Glaube bedeutet also, dass wir Ja sagen zu der Tatsache, dass einer für uns gekreuzigt worden ist; dass wir mit unserem ganzen Dasein dafür danken, dass wir alles diesem Jesus verdanken, „der uns geliebt und sich für uns dahingegeben hat“. Das ist das Erschütternde am Christentum: Man kann auf keine billigere Weise "Dankeschön" sagen als mit der ganzen Existenz; oder anders gesagt: Uns wird abverlangt, der Liebe, durch die wir erlöst worden sind, zuzustimmen; uns wird abverlangt, diese gekreuzigte Liebe als das Maß unseres Lebens anzusehen. Alle Quellen unseres Lebens entspringen dem Kreuzestod Jesu; denn alles, was wir sind (und dazu bekennen wir uns als Christen), sind wir nicht kraft eigener Leistung, sondern durch den erlösenden Tod Jesu. Sind wir uns dieser Grundgegebenheit bewusst?

Gaube bedeutet also immer wieder das bewusste Annehmen, das Empfangen der gekreuzigten Liebe Gottes, die uns erlöst hat! – Was ist meine Antwort auf den Anspruch Gottes in Jesus Christus? Meine Antwort verändert mein ganzes Leben. Das äußere Zeichen, der leibhafte Ausdruck dieser Antwort und der damit verbundenen Lebenswende hin zu Jesus Christus geschieht in der Taufe. Die Taufe ist das Zeichen des Angebotes Jesu und unserer Antwort. Paulus weist in der heutigen Lesung aus dem Römerbrief auf diesen entscheidenden Zusammenhang zwischen dem Kreuzestod Jesu und der Taufe hin: „Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod hin getauft sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ Taufe bedeutet also unser Bekenntnis zu unserer Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi; Taufe bedeutet die Annahme und das Empfangen der von Jesus Christus bewirkten Erlösung.

Das Geschehen der Taufe weist uns hin auf den Zusammenhang unseres Christseins mit dem Tod und der Auferstehung Jesu. Wieder ist es Paulus, der uns diese Grundgegebenheit ins Bewusstsein ruft: „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, sind auf seinen Tod getauft worden... Ihr sollt euch darum als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.“

Für diese Gewissheit, besser: für dieses Geschenk unserer Berufung wollen wir immer wieder Dank sagen; nicht zuletzt, wenn wir Eucharistie feiern dürfen!

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Pater Josef und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Reisegepäck

Die Predigt für diesen Sonntag habe ich zwischen gepackten und noch zu packenden Kisten mit all dem, was sich über die Jahre bei mir angesammelt hat, vorbereitet. Mit viel weniger Büchern und schönen, aber auch unnützen Dingen wäre ein Umzug viel leichter. Beim Packen fielen mir immer wieder Fotos von Menschen in die Hand, die mein Leben geprägt haben und schon auf die andere Seite des Lebens gerufen worden sind. So wurden in mir Erinnerungen wach, die tief in mir angelegt sind und viel gewichtiger sind als jedes Gramm oder Kilo meines Besitzes, den ich eingepackt habe. Innere Schätze nehme ich ganz viele mit auf meine weitere Reise. Jemand hat einmal, wie mir scheint, treffend gesagt: „Die längste Reise ist die nach innen“ – das habe ich in den letzten Wochen deutlich erfahren, diese Reise ist nicht abgeschlossen, sie währt.

Zunächst geht diese Reise nun weiter nach Münsterschwarzach für einer besonderen Zeit der Recolletio, die meine letzten Wochen in einer Reha-Klinik mit vielen psychosomatischen Therapien geistlich weiterführen wird. Ich möchte eine neue Basis schaffen für meinen weiteren Weg als Benediktiner. Danach geht es weiter nach Jerusalem in unsere Abtei, um in unserer Gemeinschaft im benediktinischen Rhythmus zu leben. Neue Aufgaben, die ich gerne und beherzt angehen werde, warten auf mich.

Ich bin sehr dankbar für die Zeit, in der ich an diesem großartigen Ort Tabgha mit unserer besonderen Kirche, die ich in ihrer Klarheit und Schlichtheit lieben und schätzen gelernt habe, verbringen durfte. Vor allem bin ich aber dankbar für das Geschenk der wunderbaren Brotvermehrung, die diesem von Evangelium Jesu durchdrungenen Ort bis heute ungebrochen seine Anziehungskraft verleiht, und uns, die wir hier leben, den Auftrag ins Herz und in die Hände gibt: „Gebt ihr ihnen zu essen“. Vielleicht ist es mir in den zurückliegenden Jahren etwas gelungen, mit diesem Auftrag des Teilens in vielfacher Hinsicht ein glaubwürdiger Zeuge des auferstandenen Christus’ gewesen zu sein – erfüllt von Tabgha führt mein Weg nun zurück nach Jerusalem.

Auch wir Mönche sind in den Rhythmus des Kommens und Gehens eingebunden. Bei aller Stabilitas, die im Endeffekt immer das bei IHM und bei sich sein meint, ist auch unser Leben nicht statisch. Das Leben ist immer voller Bewegung.

Sowohl das Evangelium des Matthäus als auch der Prophet Jeremia führen uns heute in den Texten des Sonntags Lebenssituationen vor Augen, die wir fürchten; Situationen, in denen Menschen anderen Menschen körperliche oder seelische Gewalt antun. Leider gehört dies zur Realität des Lebens, damals wie heute. Während meiner Reha habe ich von anderen Patienten immer wieder gehört und erfahren, wie tief Seelen verwundet sein können, durch frühkindliche Gewaltanwendung oder Missbrauch. Erschrocken und zutiefst berührt habe ich gelernt, wie diese Wunden das gesamte Leben durchziehen und es immer wieder heilende Prozesse bedarf. Immer wieder bricht diese Wunde auf und schreit nach Heilung. Gut, dass es dann sehr einfühlsame und fachlich kompetente Therapeuten gibt, die helfend und heilend zur Seite stehen und das Selbstbewusstsein stärken helfen.

In den Worten aus dem Buch Jeremia begegnen wir einem Propheten, der daran glaubt, dass Gott, selbst wenn ringsum Grauen herrscht, die Dinge fest in der Hand hält und nicht loslässt. „Fürchtet Euch nicht!“ ruft uns auch Jesus aus dem Evangelium zu. Seine enge Verbundenheit mit seinem Vater will er in uns tiefer einprägen, damit wir vertrauensvoller durch das Leben gehen. Jesus vertraut uns sogar seine frohe Botschaft, sein Wort an! „Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag“. Dieser Satz ist ein kleines Sprachspiel. Das Evangelium wächst von innen nach außen, vom Kleinen ins Große, vom Schwachen ins Starke, von der Nacht in den Tag. Mutig ist das! Der Tag wird erst hell, wenn die Wahrheit öffentlich wird. Diese Worte machen mir Mut, aus dem Bann der Angst herauszutreten und die Dinge dieser Welt beim Namen zu nennen.

Lasst uns darauf vertrauen, dass wir auf dem Weg der Nachfolge ganz persönlich wahrgenommen sind mit Haut und Haaren. Unser Gott will uns nicht das Fürchten lehren, sondern Vertrauen wecken. Gottvertrauen und Zutrauen zum Nächsten und ein gesundes Selbstvertrauen, das alles gehört zusammen. Je mehr wir uns vom Vertrauen leiten lassen, umso mehr werden wir erleben, dass es stimmt, was wir im Ersten Johannesbrief lesen: „In der Liebe gibt es keine Furcht, denn Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst.“

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Pater Jonas und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Adlerfügel

"Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe,
wie ich euch auf Adlerflügeln getragen
und zu mir gebracht habe." (Ex 19,4)

Dieses wunderbare starke theologische Bild aus der heutigen ersten Lesung trifft bei mir einen Glaubens-Nerv! Der Adler ist für mich eines der faszinierendsten Lebewesen unseres Planeten. Er strahlt für mich Schönheit, Eleganz, Freiheit, Macht, Intelligenz, Kraft, Ruhe, Lebendigkeit, Erhabenheit, Geheimnis und noch sehr viel mehr aus. Ich kann mich an einem Adler im Überflug, oder wie er zu seinem Horst heimkehrt, nicht satt sehen: Er ist der majestätische König des Himmels!

Ein Adler ist für mich DAS biblische Bild schlechthin für das Heilige, wie es Religionswissenschaftler Rudolf Otto als "Mysterium tremendum et fascinans" skizziert: ein Geheimnis, das zugleich erschreckt und fasziniert. Dieses unfassbar schöne königliche Tier, welches seinen Jungen einen Horst baut, ist zugleich ein schonungsloser Todesbringer für die Tiere, die er sich als Beute erwählt hat.

Der Vers aus dem Buch Exodus drückt das ja auch aus: Der Gott des Volkes Israel - zu dem wir Christen auch beten dürfen - hat die Ägypter vernichtet, um sein Volk auf mächtigen Adlerschwingen zu sich in die Freiheit zu führen...

Gott ist weder nett noch harmlos - von ihm kann ich mich unmöglich abwenden, er ergreift, befreit und bewegt! Gott, der mich sucht und trägt!
(Ja, ich weiß, dass das hebräische Wort "Nesher" wohl eher den Gänsegeier als den Adler bezeichnet, aber sowohl in der revidierten Einheitsübersetzung und auch in der Lutherübersetzung von 2017 sind als Übersetzung doch der „Adler“, der in Zentraleuropa doch bekannter ist, gewählt - und auch auf dem israelischen "Nesher"-Bier ist ja ein Bild von einem Adler zu finden...)

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Abt Nikodemus und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Überraschende Momente

"Die Pharisäer sagten zu seinen Jüngern: Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?" - In den Augen der Pharisäer machte Jesus ständig etwas falsch. Die Pharisäer haben sein Verhalten oft nicht verstanden. Auch heute noch finden viele Menschen Jesus unverständlich und seltsam. Ist Jesus unverständlich und seltsam? Oder ist die Welt, die wir Menschen so oft nach unserem eigenen Willen versuchen zu gestalten und zu organisieren, seltsam und unverständlich? Vielleicht haben wir zu viele Dinge auf den Kopf gestellt! Vielleicht haben wir zu schnell geglaubt, dass wir wissen, wer gut und wer schlecht ist, was wem zusteht, was wer tun kann und was für wen bestimmt ist.

Nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch heute gibt es genügend Stereotypen und Vorurteile über andere Menschen … Deshalb ist es manchmal gut, nicht nur von Jesus und dem Evangelium überrascht zu werden, sondern von mir selbst überrascht zu sein, - zum Beispiel, dass ich über einen anderen Menschen ganz anders denke und mit ihm umgehe, als es das Evangelium mich lehrt.

Die Geschichte des Matthäus im heutigen Evangelium zeigt uns, dass Gott an jedem Menschen interessiert ist – unabhängig von dessen Vergangenheit oder Gegenwart. Gott ruft die Reichen und die Armen, aber er ruft auch den Sünder oder den Menschen, der frei von größeren Übertretungen ist. Gott nimmt keine Rücksicht auf Einzelne. Die Art und Weise, wie Er im Leben eines jeden Menschen handelt, ist immer eine große Unbekannte, ja eine Überraschung!

Nur wenn der Mensch seiner Berufung folgt, entdeckt er die Welt Gottes in seinem eigenen Leben. Er entdeckt sie oft in verschiedenen überraschenden, ungeplanten Momenten ... wie es dem Apostel Matthäus ergangen ist: Jesus hat ihn, für ihn selbst und für die Pharisäer völlig unerwartet, hierher an den See Genezareth, berufen hat und sagte zu ihm: „Folge mir nach …"

Jesus ermutigt uns, immer wieder das Neue im Leben zu entdecken. Für ihn ist es nicht wichtig, wer wir waren, sondern entscheidend ist vor allem, wer wir jetzt sind. Er will auf dem aufbauen, was ist, auch wenn es kaputt, krumm oder sündig ist. Er weiß, dass es hier auf der Erde keine perfekten Menschen gibt. Deshalb ist es ihm so wichtig, dass wir uns bewusst auf einen "Heilungsprozess", der darin besteht, ein tägliches Leben voller Liebe zu Gott und zu den Menschen zu führen, ein Leben, das nicht nur mit Frömmigkeit oder Toleranz, sondern mit Liebe erfüllt ist, einzulassen - "Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern", verkündet uns der Prophet Hosea; und Jesus sagt uns: „…ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder."

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Pater Efrem und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen schönen Sonntag und eine gute Woche!

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Gott im Fokus

Weihnachten, Ostern und Pfingsten - das sind natürlich schöne Feste, die ich auch mag - doch am deutlichsten auf Gott hin konzentriert empfinde ich das Dreifaltigkeitsfest.

Weihnachten, Ostern und Pfingsten machen deutlich, wie sehr Gott uns liebt, wie er uns wohlwollend im Blick und liebend im Herzen hat, wie sein ganzes Wesen auch auf uns Menschen hin ausgerichtet ist. Das ist großartig und wunderbar; das lässt mich stauen und froh sein.

Mit dem Dreifaltigkeitssonntag rückt nun aber Gott mit seinem geheimnisvollen Wesen in den Fokus unserer Aufmerksamkeit. Dabei bleibt die außerordentliche Geschichte Gottes mit uns Menschen nicht außen vor. Alles, was uns die Bibel von der Beziehung Gottes zur ganzen Schöpfung und insbesondere zu uns Menschen erzählt hat natürlich auch am Dreifaltigkeitsfest Geltung und Gewicht.

Auf vielerlei Weise erweist Gott seine Nähe und Liebe. Mal ganz sanft, fast zu überhören: im leisen Säuseln, aus der Stille heraus spricht Gott Elia an; mal strakt und mächtig: die gewaltige Errettung seines Volkes am Roten Meer oder die Stillung des Seesturms; mal überbordend großzügig: die wunderbare Speisung der 5000; und ebenso auch im ganz Kleinen und Unscheinbaren: bis heute beim Brechen des Brotes der Eucharistie. – Der eine Gott gibt sich uns Menschen in unterschiedlichster Weise zu erkennen.

Dieser Dreifaltigkeitssonntag ist eine Einladung an uns die eigene Geschichte mit Gott zu bedenken, die eigene Gotteserfahrung in Erinnerung zu rufen, der ganz persönlichen Gottessehnsucht nachzuspüren.

Ganz selbstverständlich, oftmals vielleicht auch sehr unbedacht gehen uns die trinitarischen Formeln der Liturgie über die Lippen:

„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

„Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist …“

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.“

Das ist uns allen sehr vertraut. Und doch bleibt es unbegreiflich. Vertrautheit und Unbegreiflichkeit - machen nicht genau diese beiden Phänomene unseren Glauben aus? Das ist auch die Erfahrung der Menschen mit Gott, von denen uns die Bibel erzählt!

Wenn wir als gläubige Menschen von Gott reden, von den drei göttlichen Personen, von dem einen göttlichen Wesen dann hat das immer auch mit uns zu tun! – so steht es auch im Eröffnungsvers des heutigen Dreifaltigkeitssonntags: „Gepriesen sei der dreieinige Gott: der Vater und sein eingeborener Sohn und der Heilige Geist; denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt.“

Ja, ich mag dieses Hochfest! Es fordert mich heraus, die Unbegreiflichkeit Gottes zu akzeptieren. Und es bleiben immer nur kleine Aspekte des großen göttlichen Geheimnisses, derer ich mir bewusst sein kann. Doch zugleich empfinde ich große Vertrautheit mit diesem Gott, meinem Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Geist - dem einen Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

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Pater Matthias und alle Brüder in Jerusalem und in Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Die Intimität des Gebets

Vor zwei Monaten wurde der neue Altar hier auf dem Zion geweiht – während der bewegenden Liturgie ist mir einer der vielen offiziellen und inoffiziellen Fotografen besonders aufgefallen. Mit seiner Körpergröße überragte er die meisten Gottesdienstteilnehmer … aber das war nicht der Grund, warum er mir auffiel. Er fotografierte nicht nur die Altarweihe, sondern sein Augenmerk lag eigentlich viel stärker auf den Menschen aus nah und fern, die mit uns zusammen den Gottesdienst feierten. Er schien versessen zu sein, Menschen beim Gebet, bei der stillen Meditation, bei der inneren Betrachtung oder beim Empfang der Kommunion abzulichten. Wollte er versuchen, ein Bild von dem inneren Zwiegespräch, von der Begegnung des Gläubigen mit Gott zu erhaschen? Ist das möglich?

Die biblischen Lesungen des heutigen Sonntags erzählen uns über das Beten: vom Gebet der Apostel und Maria im Obergemach, dem Ausharren und Bleiben im Gebet und in der Einmütigkeit; von der Kraft und Freude, die aus dem Gebet erwächst, wenn der Geist Gottes auf den Menschen ruht; von der tiefen Gottesbeziehung, die es dem Beter ermöglicht, Leid, Beschimpfungen, Schmähungen und Leid zu ertragen. Und im Evangelium erklingt das Gebet Jesu bei seinem Abschied von den Jüngern, jetzt da seine Stunde gekommen ist.

Die Abschiedsrede Jesu, sein geistliches Testament, mündet nicht in eine Ermahnung oder Belehrung, nicht in einen Ratschlag oder eine Predigt, sondern in ein Gebet. Mit einem Gebet ist der Raum innerster Intimität vor Gott und auch vor seinen Jüngern eröffnet – es geht um Jesu Herzensanliegen. Jesus lässt uns bei seinem Beten zuhören. Mehr als in Reden, Bildern, Diskussionen und Streitgesprächen lässt uns Jesus hier einen Blick in sein Inneres tun.

Jesus bekennt, dass der einzige, wahre Gott, sein Vater ihn groß gemacht, ihm Selbstbewusstsein, Kraft und einen wunderbaren Auftrag gegeben hat. Indem Jesus auf diese Liebe seines Vaters geantwortet und den Ruf angenommen hat, hat er seinerseits Gott groß gemacht. Und auch seine Erfahrung mit den Menschen bringt Jesus ins Gebet. In seiner Sendung, Menschen den Namen Gottes erfahrbar zu machen, Gottes Mitgehen, seine Nähe und Treue sichtbar zu machen, hat er das Wunder erlebt, dass er angenommen wurde, dass Menschen auf sein Wort gehört, ihn ernst genommen und so auf ihre Weise verherrlicht haben. In seinem Gebet blickt er in diesem Augenblick nur auf sie, auf die, die ihm nachfolgen, und kann alle Ablehnung, Dunkelheit und Verletzungen beiseitelassen.

Wenn jemand betet, öffnet er sein Herz, er sagt sein Innerstes, er legt das Geheimnis seiner Person und seines Selbstverständnisses offen. Beten ist die tiefste und mächtigste Form der Kommunikation. Um auch so beten zu können, müssen wir uns in unserem Leben geschützte Räume und geschützte Zeiten einrichten. Für die Jünger Jesu war das Obergemach ein solcher geschützter Raum - ein Raum oberhalb oder hinter den alltäglichen Räumen unseres Lebens. Die frühen Mönche in der judäischen Wüste hatten so auch ihre Zellen aufgebaut: eine erste Höhle, in der sie gelebt und gearbeitet haben und darüber eine zweite Höhle, nur mit einer Leiter zu erreichen, in der sie sich zum Gebet und zur Betrachtung zurückziehen konnten.

Gebet ist etwas Intimes, etwas Inneres, etwas Geheimnisvolles, etwas vom Herzen, was mit keiner Kamera der Welt abgelichtet werden kann, so sehr man es auch versuchen möchte. Wahrscheinlich hat dieser israelische Fotograf bei der Altarweihe gespürt, dass in den Gläubigen etwas Besonderes geschieht, das er gerne ablichten wollte: etwas Eigenes, etwas, was den Menschen Kraft, Freude und Frieden schenkt, eine einzigartige Begegnung in einem besonderen Raum der Herzen.

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Pater Elias und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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