Kontakt
Benedictine Monastery of Tabgha
P.O.B. 52
14100 Tiberias
Israel
tel +972-4-6678-100
fax +972-4-6678-101
Informationen für Gäste
Bautagebuch
Wer regelmäßig unseren Rundbrief liest, weiß, wie baufällig, ja, vom Einsturz bedroht, das "Benedictine Monastery Tabgha" inzwischen ist. Die Arbeiten am Neubau haben einige Fortschritte gemacht, sind aber auch auf Hindernisse gestoßen ...
Fotogalerien
Brotvermehrungskirche
Ein judenchristliches Heiligtum
Brotvermehrungsfest (Bild vergrößern)
Die Nordwestecke des Sees Genezareth war einer der Schwerpunkte des Wirkens und der Predigt Jesu. Darum wundert es kaum, dass die Menschen, die Jesus hier erlebt hatten, diese Erinnerungen wach hielten und weitergaben. Bei allem, was an Jesu Botschaft revolutionär war, war es für diese Frauen und Männer doch auch ein Bestandteil ihres jüdischen, ihres biblischen Glaubens. Zahlreiche heilige Stätten und archäologische Ausgrabungen von Tiberias auf der Westflanke des Sees Genezareth über das antike Magdala und das berühmte Kafarnaum bis hin nach Betsaida an der Nordspitze des Sees lassen vermuten, dass lange Zeit jüdische und explizit christliche Glaubensinhalte nebeneinander und miteinander bestanden, bevor sich daraus zwei getrennte Religionen entwickelten. – Mittendrin steht die Brotvermehrungskirche in Tabgha.
Die spanische Nonne und Pilgerin Egeria bereist Ende des 4. Jahrhunderts das Heilige Land und hält ihre Eindrücke und Erfahrungen in einem ausführlichen Pilgerbericht fest. In diesem Bericht erwähnt sie auch eine kleine Kirche über jenem Felsblock, an dem der Herr die Menge mit fünf Broten und zwei Fischen gesättigt“ hat. Diese kleine syrische Kirche aus der Mitte des vierten Jahrhunderts wurde schon im fünften Jahrhundert durch eine weitaus größere und aufwändigere Anlage im byzantinischen Stil ersetzt, wohl auch, um den steigenden Besucherzahlen gerecht zu werden. Dieser Kirche gehören auch die wunderschönen Mosaiken mit Tier- und Pflanzendarstellungen und geometrischen Figuren an, die auch der modernen Brotvermehrungskirche ihren Glanz und Zauber verleihen.
Tausend Jahre Dornröschenschlaf
Schon im siebten Jahrhundert gerieten der Ort der Brotvermehrung und eigentlich alle heiligen Stätten in Vergessenheit: Mit dem Einfall der Perser im Jahr 614 n.Chr. wurden viele christliche Kirchen und Anlagen zerstört und versanken nach und nach unter Sand und Erde. Lange Jahrhunderte waren weder christliche Pilger noch Archäologen um den See herum unterwegs. Alleine die Beduinen, die zum Teil ihre Zelte auf den Wiesen am Seeufer aufstellten, lebten hier zeitweise mit ihren Herden. Vielleicht habe sie es gar nicht immer gemerkt, wenn Mosaiksteinchen mit aus der Erde sprangen, wenn sie ihre Zeltstangen wieder aus dem Boden zogen …
Als die Europäer im 19. Jahrhundert das Heilige Land wieder für sich entdeckten, war es am See Genezareth vor allem Kafarnaum, die Stadt Jesu, der das Interesse der Kirchenmänner und Forscher galt. Wo sie aber genau lag, wusste niemand. Und so war es mehr oder weniger Zufall, wer welche Grundstücke kaufte. – Der Deutsche Verein vom Heiligen Land jedenfalls hatte letztlich großes Glück, dass er 1889 jenes große Stück Land erwarb, auf dem man dann schon bald das Schmuckstück der byzantinischen Brotvermehrungskirche mit ihren Mosaiken fand.
Eine neue Kirche mit alten Schätzen
Vollends frei gelegt wurde die ganze Anlage erst in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Notkirche, die dann zum Schutz der wertvollen Mosaiken errichtet wurde, tat ihren Dienst bis in die 70er Jahre hinein. Doch dann war es um der Würde dieses Heiligtums und der wachsenden Besucherzahlen unumgänglich, eine neue Kirche an dieser Stelle zu errichten.
Auf den Grundmauern der alten byzantinischen Kirche und mit den Stilmitteln byzantinischer Kirchenbaukunst erwuchs so eine der gewiss schönsten und ihrer Struktur klarsten Kirchen im Heiligen Land. Seit ihrer Einweihung am 23. Mai 1982 zieht sie Menschen aus aller Welt an, die sich von den Mosaiken die Geschichten aus dem Tier- und Pflanzenreich erzählen lassen und die besonders in der einfachen Darstellung des Brotkorbs mit den zwei Fischen Gottes überfließende Liebe geradezu mit Händen greifen können. – Und alle wurden satt.
