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Globalisierung des Glaubens

„Beim Beten wird der Glaube weltoffen - offen für das, was in der Welt los ist. Beim Beten öffnet sich die Seele nach zwei Seiten: Zum Himmel und zur Welt, zu Gott und hinein in den Alltag der Menschen. Beides wird gewissermaßen ins Gebet genommen.

Wir haben es heute in der Lesung aus dem Ersten Timotheusbrief gehört: Gebet, das ist Bitte, Fürbitte und Dank für alle Menschen. Wir beten nicht bloß für die Christen, nicht bloß für Familienangehörige. Alle soll unser Gebet einschließen. Nicht alle auf einmal, das würde uns überfordern – aber mal die einen und mal die anderen, je nachdem, was mir und was Ihnen gerade auf dem Herzen liegt.

Zum Gebet für alle Menschen werden wir im Ersten Timotheusbrief, der aus dem ersten Jahrhundert stammt, aufgerufen. Von Anfang gibt es somit eine Globalisierung des Glaubens. Gebet, Bitte und Dank für alle Menschen - das bricht die Gruppeninteressen auf. Das verhindert, dass ich beim Beten nur mich selbst sehe, meine Sorgen, meine Ängste, meine Wünsche und meine Hoffnungen. Denn ‚Gott will, dass allen Menschen geholfen werde‘, das schreibt einer an die ersten Christen, die damals in multikultureller und multireligiöser Umwelt in der Minderheit waren und sich Sorgen machen mussten. Nur wenn es allen gut geht, geht es uns dauerhaft gut. Dafür sollten wir beten und arbeiten.

Und was hat das mit dem Himmel zu tun? Wo ist da ein Ausblick, ein Fenster zum Himmel und zu Gott? ‚Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen‘, diese Worte gibt uns der Timotheusbrief mit auf den Weg. Die Reihenfolge ist entscheidend. Menschen sollen Hilfe finden. Wer Hilfe erlebt und erfährt, der wird Gottes Wahrheit erkennen. Wir, Sie und ich, sollen das bezeugen: Bei Gott kann man Hilfe finden. Wer in Gott eine Hilfe findet, erkennt auch die Wahrheit: dass es einen Gott gibt und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, bei dem Hilfe zu finden ist.

Wenn man sich über das Beten Gedanken macht, dann kommt man ganz schön weit herum. Und die Gebete bleiben nicht hinter Kirchen- und Klostermauern versteckt, sondern Fenster gehen auf: zum Himmel und zum Alltag der Menschen.“

Pater Jonas und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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...dieselbe Botschaft des Evangeliums

„Das heutige Evangelium beginnt damit, dass die Schriftgelehrten mit Unmut reagieren, als Zöllner und Sünder zu Jesus kamen und er sie aufnahm und sich mit ihnen zum Essen niedersetzte. Es ist sehr interessant, dass der Mensch dazu neigt, sich mit den Sünden anderer Menschen zu beschäftigen. Die Pharisäer wollten mit Jesus nicht über ihre eigenen Schwächen, sondern über die Schwächen der anderen Menschen sprechen.

Und in dieser Situation erzählt Jesus drei Gleichnisse: vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Münze und vom verlorenen Sohn. Jesus erzählt nicht von den Tugenden der neunundneunzig Schafe, die treu bei der Herde blieben; nicht von den neun Münzen, die im Geldbeutel der Frau blieben; und auch nicht von dem guten, frommen und fleißigen Sohn, der bei seinem alten Vater blieb.

Vielleicht hatten die Pharisäer recht? Muss es nicht Gericht und Strafe für Sünde geben? - und daran ist doch eigentlich nichts auszusetzen. Hier kommen wir zum Kern unseres Glaubens: Jesus hat für diejenigen, die anständig sind, und für diejenigen, die im Leben verloren sind, dieselbe Frohe Botschaft und dieselbe Botschaft des Evangeliums.

Es geht nicht um die Suche nach Sünde und menschlicher Schwäche. Jesus erinnert uns heute daran, dass der Sinn unseres Glaubens die selbstlose Liebe ist, und eines der wichtigsten Zeichen dafür ist die Vergebung! Papst Franziskus schreibt: ‚Wenn Gott bei der Gerechtigkeit stehen bliebe, wäre er nicht mehr Gott. Gott würde wie alle Menschen werden, die sich nur auf die Einhaltung des Gesetzes berufen. Gerechtigkeit allein ist nicht genug. Deshalb übertrifft Gott die Gerechtigkeit durch Liebe und Barmherzigkeit, die das Fundament unseres christlichen Glaubens sind.‘

In der Kirche sind wir nicht dafür da, um zu lernen, andere zu bestrafen oder über unsere Mitmenschen zu urteilen. Wir sind in der Kirche, um Liebe und Vergebung gegenüber uns selbst und gegenüber anderen zu lernen!“

Pater Efrem und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Nachfolge und Totalverzicht

„Eine unangenehme, frohe Botschaft: ‚Wenn jemand zu mir kommt, und nicht Vater und Mutter … geringachtet, … nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet‘ – das sind die eindeutigen Worte Jesu -, ‚dann kann er nicht mein Jünger sein‘. Schriftdeuter und Prediger habe sich oft schier das Hirn verrenkt, um diese absolut unzweideutigen Weisungen Jesu irgendwie umzudeuten.

Lasst uns zusammen ins Evangelium schauen! Jesus ist unterwegs in Galiläa. Ganz unvermittelt, abrupt und schroff wendet er sich an die Menschen, die ein Stück des Weges mit ihm gehen. Er sagt nicht nur, man solle seine Familie und sein eigenes Leben ‚gering achten‘ , sondern – so steht es im griechischen Text – sie sogar ‚hassen‘. Wie ist das zu verstehen? Dieser geforderte Hass ist keine emotionale Bosheit oder Heimtücke, sondern bedeutet die Notwendigkeit der Distanz. Es geht um Trennung und damit letztlich um Freiheit. Zur Zeit Jesu war ein Bruch mit den eigenen Eltern oder den Geschwistern gleichbedeutend mit dem Verlust des Lebens – ein solcher Bruch hatte weitreichende soziale Folgen. Die Familie war das soziale Netz der damaligen Zeit, sie war Absicherung und Schutz, und zugleich war durch die Familie der eigene Lebensweg vorgezeichnet, ja begrenzt. Der Beruf war vorgegeben, der Lebenspartner wurde einem zugewiesen. In diesem Lebenskontext haben Jesus schroffe und radikale Worte zwei Seiten.

Jesus bleibt glaubwürdig. Er verschweigt die möglich Folgen nicht! Sein Weg wird nach Jerusalem führen, wo er das Opfer seines gewaltlosen Kampfes für das Prinzip der Liebe werden wird. Sind wir bereit ihm auf diesem Weg nachzufolgen? Wir müssen uns selbst entscheiden. Wir müssen Verantwortung für unsere Lebensentscheidungen übernehmen.

Die beiden Beispiele, die Jesus im heutigen Evangelium aufführt, zeigen uns, was Freisein noch bedeutet. Die Entscheidung zum Turmbau und zum Krieg ist bereits getroffen. Aber die Entscheidung alleine genügt nicht. Es muss auch überlegt werden, wie das Vorhaben auszuführen ist. Die Entscheidung wird nur mit vollem Einsatz zu einer Realität. Das bedeutet zugleich: Wenn die Kräfte und Mittel nicht genügen, dann muss man den eingeschlagenen Weg abbrechen und nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten. Und auch das erfordert Mut. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich geirrt hat oder nicht weit genug gedacht hat? Es geht also auch um die Freiheit gegenüber sich selbst. Jesus mahnt uns, sich nicht unbedacht in eigene Pläne zu verrennen, sondern frei zu sein und, wenn nötig, umzukehren.

Die Nachfolge Jesu ist kein einfaches Mitgehen. Sie bedeutet Verzicht. Im heutigen Lebenskontext wird dies vielleicht am deutlichsten in der abschließenden Forderung, den eigenen Besitz aufzugeben. Wer frei ist in all seinen persönlichen und materiellen Bindungen, kann sein Leben vollkommen hingeben. Was wäre unsere Welt ohne die Menschen, die aus Liebe loslassen können und verzichten? Menschen im Sozialdienst, die nicht nach der Bezahlung der notwendigen Überstunden fragen. Eltern, die ein behindertes Kind annehmen. Ehepartner, die den anderen auch in schweren Zeiten nicht verlassen. Menschen, die ihrem Gewissen treu bleiben, auch wenn es Nachteile oder sogar Tod bedeutet.

Nachfolge ist eine Herzenssache und der freiwillige Verzicht ist keine Pflicht, sondern eine Frucht der Liebe. Jeder Mensch, der aus Liebe verzichtet, folgt Jesus auf seinem Weg der Liebe.“

Pater Elias und alle Brüder in Tabgha und in Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Die Tischregel Jesu

„Wo soll ich sitzen? Wo ist mein Platz? Nicht nur bei Hochzeitsfeiern oder Geburtstagsfeten, sondern beinahe tagtäglich stellen wir uns – bewusst oder unbewusst – diese Frage: Bei Dienstbesprechungen oder Projektsitzungen, hier in der Kirche oder bei Tisch… Auch die Frage nach Einladungslisten und der richtigen Platzvergabe für Gäste kennt womöglich jeder und jede von uns. Und wer solche Situationen kennt, der weiß auch, wie viel Zeit Diskussionen über die richtige Platzierung von Gästen einnehmen. Nicht zuletzt ist da auch die quälende Frage, wo die Grenze zu ziehen ist, wen man einlädt und wen nicht; ganz zu schweigen von der Begründung, warum der/die eine eingeladen ist und der/die andere nicht…

Kurzum, beide Perspektiven, die des Gastes, der zu Tisch kommt, und diejenige des Gastgebers, sind uns nur zu gut vertraut. Steckt dahinter, hinter der richtigen oder besten Positionierung im Prinzip nichts anders als die Suche nach Anerkennung?

Wenn heute unser Blick mit Jesus auf die Schabbat-Tischgemeinschaft im Haus eines führenden Pharisäers gelenkt wird, dann zielt er, Jesus, genau auf diese Sehnsucht des Menschen nach Anerkennung. Er beobachtet nämlich, wie sich die Gäste im Haus des Pharisäers die besten Plätze aussuchen. Genau deshalb setzt er mit seiner Mahnung auch bei dem an, was die Menschen erstreben: Anerkennung bzw. das Gesehen-Werden. – Doch Jesus tadelt nicht grundsätzlich diese menschliche Sehnsucht. Schließlich spricht für ihn nichts dagegen am Ende doch noch vom Gastgeber an den vordersten Platz gesetzt zu werden…

Wogegen Jesus jedoch Stellung bezieht, ist das Streben, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen! Den richtigen Platz findet man im Zusammenspiel mit den anderen Gästen und dem Gastgeber. Und das kann dann mal ganz vorne und mal eher hinten am Tisch sein. Wer aber immer nach oben oder vorne will, läuft Gefahr brüskiert zu werden, weil er/sie sich selbst zu wichtig nimmt und überschätzt. Daher lehrt Jesus uns als Verhaltensgrundsatz für das Leben: ‚Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt wird erhöht.‘

Die Tischregel Jesu ist nicht einfach eine allgemein sittliche Mahnung, sondern sie spricht eine Wahrheit des Gottesreiches aus. Der Wunsch, sich selbst ins richtige Licht zu rücken, und das Streben nach den besten Plätzen sind weder im Hinblick auf die Mitmenschen noch auf Gott hin erfolgreich!
Die verborgene, ja gelebte Innenseite dieser Tischregel Jesu, die eigentliche Wahrheit, wird bei einem anderen Mahl deutlich: beim Letzten Abendmahl. – und hier beim Gastmahl des Pharisäers spricht Jesus vom Gastmahl im himmlischen Reich, wo er selbst der Gastgeber ist, und das Letzte Abendmahl ist das Vorausbild dieses Mahls der Liebe. Dort geht es eben nicht um berechnende Höflichkeit, sondern um die Grundhaltung der dienenden Liebe: ‚Ich bin unter euch wie der, der bedient‘, sagt Jesus in Lukas 22,17. – Von daher ist es nicht verwunderlich, wenn im Evangelium nicht davon die Rede ist, welchen Platz Jesus beim einladenden Pharisäer eingenommen hat. Ist es bereits hier der letzte Platz, dem Ort der demütigen Liebe?

In der Feier der Eucharistie ist nun Jesus Christus selbst der Gastgeber. Ihn, der die fleischgewordene Liebe ist, zu empfangen, ist der Auftrag an uns; wir sind die Gäste, die bereit sind auch den letzten Platz einnehmen, wann immer es möglich ist. Einer Frau, die hier aus dem Heiligen Land stammt und, die sich selbst immer den letzten Platz zugewiesen hat, schließlich bis zur Ehre der Altäre erhöht wurde, soll das abschließende Wort gehören: der Heiligen Mariam von Abellin – am vergangenen Donnerstag haben wir ihren Gedenktag gefeiert:

‚Wenn ihr groß sein wollt, seid klein! Sucht nicht geschöpfliche Größe! […] Klein sein, klein sein! Die Demut schützt. […] Die Demut ist zufrieden, die Demut ist glücklich, überall glücklich; die Demut ist mit allem zufrieden; die Demut trägt immer den Herrn in ihrem Herzen. Der Hochmut regt sich über alles auf, alles ekelt ihn, alles erzürnt ihn, alles erniedrigt ihn. Die Demut freut sich in dieser Welt und in der andern. Glücklich die Kleinen! Überall gibt es einen Platz für sie. Aber die Großen stoßen überall an. […] Hochmut bringt Verwirrung, doch das demütige Herz ist das Gefäß, der Kelch, der Gott enthält.‘ Amen.“

Pater Simeon und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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Die Möglichkeit des Zu-spät-Kommens

„‘Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?‘ Diese Frage treibt den Fragesteller scheinbar um. Wahrscheinlich ist sie für ihn deshalb so akut, weil im Hintergrund die andere Frage steht: Werde ich hoffentlich dabei sein?

Sind es also nur wenige, die gerettet werden? Diese Frage, Schwestern und Brüder, bewegt sie uns heute eigentlich noch? Ist es für uns – nach allem, was wir aus der Theologie und der Verkündigung der Frohen Botschaft wissen – nicht vielmehr ‚selbstverständlich‘, dass wir gerettet werden? Sagen wir nicht mit vielen: Gott ist nicht so kleinlich! Er liebt die Zöllner und Sünder. Und wir sind doch ‚alle nur kleine Sünderlein!‘ – Aber wir sind eigentlich doch anständige, brave Menschen, die ihre Pflicht tun. Und das ist doch die Hauptsache! Wir sind schließlich getauft, besiegelt mit dem Zeichen des Geistes - wir sind Auserwählte Gottes. Was geht uns dieses Wort von der engen Tür eigentlich an?

Ich muss gestehen, dass ich auch meine Schwierigkeiten mit diesem Bildwort habe. Es passt mir nicht so recht zu dem weitherzigen, erbarmenden und liebenden Gott, an den ich glaube und zu dem ich immer kommen darf, ob mit Schuld beladen oder mit Erfolgen ausgezeichnet.

Dieses heutige Evangelium mit Jesu Wort von der engen Tür und der Möglichkeit des Zu-spät-Kommens, es macht uns unruhig, wenn wir es an uns heranlassen. Ja, es gilt auch uns!

Jesus scheint mit diesem Wort einer Antwort auf die Frage auszuweichen, die die Zahl der Gerechten genannt haben will. Er nennt die Zahl derer, die gerettet werden nicht. Er sagt, viele werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Auch das Mahnwort ,‘Bemüht euch mit allen Kräften!‘ hilft nicht so recht weiter. Wie sollen wir uns denn bemühen? Sich egoistisch durch die Tür zu quetschen, das kann nicht gemeint sein.

Vielleicht möchte Jesus uns damit sagen: Frag nicht nach der Zahl der Geretteten! Sieh lieber zu, dass Du selbst unter den Geretteten sein wirst, denn so selbstverständlich wie Du Dir das denkst, ist das ja gar nicht! Verpasse in Deinem Leben nicht den entscheidenden Augenblick meiner Zuwendung zu Dir! Verpasse nicht Deine Antwort! Verpasse nicht ein liebendes Leben! Wenn nämlich der Herr des Hauses aufsteht, dann ist es zu spät zu einer Entscheidung, die vorher gefallen sein muss. Und die bloß äußere Zugehörigkeit zu Christus reicht dann nicht aus, auch nicht das Essen und Trinken mit ihm. Jesus redet knallhart.

Das heutige Evangelium hält noch eine weitere Überraschung für uns bereit. Da spricht Jesus von denen, die ganz woanders wohnen. Und lässt offen, was mit denen ist, die ihm gerade begegnen, die ihm jetzt gerade zuhören, die ihn jetzt gerade fragen. Er kündigt Überraschungen an. Aus allen Himmelsrichtungen werden diejenigen kommen, die im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Da ist eine geografische Dimension angesprochen. Vielleicht darf diese Dimension noch ausgeweitet werden: Da ist vielleicht ein Skeptiker und ein Buddhist, ein Sozialist und ein Humanist ‚drinnen‘. Und wo bleibe ich?

Bleiben, liebe Schwestern und Brüder, bei diesem Evangelium also nur Unsicherheiten? Wer ist drinnen und wer ist draußen? Augustinus sagte einmal: ‚Viele, die drinnen sind, sind draußen und viele, die draußen sind, sind drinnen‘. Das ist für Jesus im Evangelium keine Frage der Frömmigkeit, keine Frage des moralischen Gutseins, keine Frage des Auserwähltseins, das ist eine Frage des Mutes, durch die ‚enge Tür‘, die Jesus (ver)heißt, hindurchzuschreiten. Er sagt: ‚Komm zu mir!‘ Lass das Schielen und Pochen auf deine Verdienste! Lass deine selbst gezimmerten Vorstellungen vom Reich Gottes hinter dir, dann wirst du so leicht, dass du die enge Pforte durchschreiten kannst. Hab Mut, denn hinter der Tür stehe ich, Christus, und empfange dich, mit meinen Händen. Du bist nicht allein! Fürchte dich nicht! Ich gebe deinem Leben Sinn und Inhalt!

Das wird auch uns zugemutet: AUFBRECHEN. Uns, die wir oft leidenschaftlich nach dem Sinn des Lebens fragen; uns, die wir verzweifelt nach Zielen suchen, für die zu leben sich lohnt. Uns, die wir Ausschau halten nach Wahrheit, nach Echtheit, nach Stimmigkeit und Ursprünglichkeit. Vielleicht waren Menschen nie so suchend wie heute. Aber es fällt uns schwer, uns wirklich zu entscheiden. Viele wollen sich alle Wege offenhalten, nichts verbauen. ‚So viele Parolen, welche ist wichtig?‘, so fragt ein Lied in unserem Gotteslob.

Wenn wir also Jesus fragen würden, wer gerettet wird, dann würden wir vielleicht von ihm zur Antwort bekommen: Es werden alle gerettet, die sich redlich mühen, die sich ihr Christsein etwas kosten lassen. Es werden diejenigen gerettet, die wie Jesus mit den Menschen umzugehen und zu leben versuchen – diejenigen, die von ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und Lebensgeschichten her zu Gott vorstoßen, die Vertrauen gelernt haben, die nicht festgefahren auf Erreichtem sitzengeblieben sind, ihre Sicherheit nicht in Hab und Gut suchen und sich vor dem not-wendigen Einsatz in der Welt nicht verschließen. Warum also nicht auch wir?“

Pater Jonas wünscht Euch mit allen Brüdern in Tabgha und Jerusalem eine gesegnete Woche!

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Enge Türen und weiter Raum

„Ende Mai brach ich mir den Fuß. Leider war der Knochen so disloziert, dass eine Operation unumgänglich wurde. Sieben Wochen Fuß-Orthese und Krücken waren schließlich die Folge. Das einfache Gehen wurde plötzlich sehr beschwerlich. Die Türen wurden mir zum Hindernis; sie zu öffnen war eine Herausforderung und mein mit den Krücken recht breiter Gang ließ ganz normale Türen eng erscheinen, teilweise sehr eng sogar. An viele Türen schlug ich ungewollt mit meinen Krücken und hinterließ so manche Schramme … Daran erinnerte ich mich, als ich auf das Sonntagsevangelium blickte und das Bildwort von der engen Tür dort las. Ein doch recht unangenehmes Gefühl machte sich in mir breit. Und auch mir stellte sich die bange Frage, ob es wohl nur wenige seien, die gerettet werden? – nur wenige kommen durch die enge Tür.
Eigentlich bin ich mir recht sicher, dass auch mir das Erlösungswerk Jesu am Kreuz gilt, dass ich längst gerettet bin. Allen irritierenden Gefühlen zum Trotz und wider jeglicher leichter Unsicherheit kamen mir beim wiederholten Lesen und Betrachten des Sonntagsevangeliums Verse aus Psalm 18 in den Sinn: ‚Du führst mich hinaus ins Weite, du befreist mich … Du schaffst meinen Schritten weiten Raum …‘.

Ja, das Evangelium spricht von einer engen Tür, gar von einer verschlossenen Tür. Dem nicht genug wird den Klopfenden und um Einlass Bittenden wiederholt zugerufen: ‚Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!“ Will Jesus mit seinen Worten damals und heute wirklich Angst und Schrecken wecken? Nein, so höre und verstehe ich ihn nicht. Er möchte, dass wir wie in einem weiten Raum innerlich und äußerlich befreit gut leben. Jesus wirbt darum, dass wir trotz aller Anstrengungen und Herausforderungen, die ein wahrlich christliches Leben mit sich bringt, nicht einfach aufhören, das Wort zu leben und das Reich Gottes aufzubauen. Er wirbt darum, dass wir die Mühe und den Kampf nicht scheuen, auch wenn es mal eng wird und wir mit unserem christlichen Ethos in die Bredouille geraten. Bedrängnis gehört zur Alltagserfahrung eines jeden engagierten Christen. Frauen und Männer, die in unserer Zeit mit aller Entschiedenheit für das christliche Ideal geradestehen, dafür einstehen und es leben, erfahren immer wieder enge und brenzliche Situationen - sehr enge Türen!

Wer eigentlich hat die Tür so eng gebaut? Wer hat das so geplant? Wer hat den Auftrag dafür gegeben? War das Gott? Oder war es nicht doch eher der Mensch? - in mangelnder Aufmerksamkeit oder aus Rücksichtslosigkeit, in Egoismus, Neid oder Missgunst, vielleicht sogar aus Feindseligkeit? Ist es nicht der Mensch, dem der Andere egal ist, der dem Andern das gute Leben nicht gönnt, der den Anderen gerne in Bedrängnis sieht? Und der Andere - an der Mentalitäts-Klippe von Aug um Aug und Zahn um Zahn - wie reagiert er? Was tut er? Ist er bereit zum guten Kampf? Sammelt er all seine Kräfte, um das christliche Ideal der Vergebung zu leben? Siebenmal? Siebenundsiebzigmal? Angesichts der engen Tür sind wir zum Kampf gerufen! Immer wieder neu! Wir haben es doch schon mehr als einmal geschafft. Es war doch gut, als wir durch waren - also: immer wieder! Der Abglanz des Himmels zeigt sich schon auf Erden! Die Fülle ist Verheißung, an die wir zu Recht glauben!

Was auf Erden groß und wichtig scheint, Anerkennung und Lob erfährt, ist nicht automatisch auch im Himmel etwas Besonderes. In den Augen Gottes zählt auch das Kleine, das Wahrhaftige, das Ehrliche, das Großzügige, das Herzliche, das Nachsichtige, die Vergebung, das Verzeihen … Ja, so manches wird im Himmel ganz anders gesehen, und so werden so manche Letzte Erste sein und durch die Tür gelangen. Uns Christen muss es darum gehen, in den Augen Gottes groß zu sein. Wir Christen vertrauen darauf, dass Gott uns immer wieder neu die Kraft gibt, auch gegen Widerstände hier auf Erden dem Guten Raum zu geben. Darum werden wir nicht müde, auf Gott zu bauen und auf ihn hinzuweisen, ihn den Menschen bekannt zu machen. Gott sehnt sich danach alle Menschen zu befreiten und ins Weite hinauszuführen. Er schafft unseren Schritten weiten Raum! – und wir werden ‚im Reich Gottes zu Tisch sitzen‘. Lasst uns Mahl halten und mit Gott feiern! Amen.“

Pater Matthias und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag!

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Das Feuer

„Wir haben uns an das Bild von Jesus als dem guten Lehrer und Hirten gewöhnt. Zu diesem Bild von Jesus gehören seine Barmherzigkeit, seine Geduld, seine Nachsicht, seine Sanftmut und sein Verständnis. Im heutigen Evangelium spricht Jesus aber so, als ob er diesen Bildern trotzt: ‚Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter ...‘. Ist das derselbe Jesus aus demselben Evangelium, das wir kennen?

Aber wenn wir das Evangelium genau betrachten, können wir sehen, dass die Lehren Jesu - über die Feindesliebe, die Segnung der Armen oder die 77malige Vergebung - nicht nur Frieden, Entspannung und Zufriedenheit bedeuten. In der Tat bringt das Evangelium Jesu auch Zweifel und Dilemmas. Er stell uns vor schwierige Entscheidungen, die unser Leben tatsächlich verändern!

Das Evangelium Jesu vereint und führt Menschen zusammen, aber es hat im Laufe der Jahre auch Christen, Kirchen, Familien und geliebte Menschen voneinander getrennt, gespalten!

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen - sagt Jesus! Das Feuer Jesu und das Feuer des Evangeliums kann und sollte auch meine unnötigen Worte, mein Misstrauen, meine Gier, vielleicht mein Mangel an Vergebung oder sogar den Groll in mir verbrennen und endgültig einäschern.

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen – sagt Jesus! Feuer ist nötig, um das reine Gold von den Unreinheiten zu trennen, die dem Gold anhaften! Nur durch die Kraft des Feuers wird das kostbare und wertvolle Metall von dem Wertlosen getrennt!

Lasst uns hoffen,
dass das Evangelium in uns auch ein Feuer entzündet,
dass das Evangelium uns die Kraft gibt, die schwierigeren Entscheidungen zu treffen,
dass das Evangelium in uns das Wertlose wegschmilzt, und das Gold, die Schönheit und den Edelmut hervorbringt, die in jedem von uns stecken.“

Pater Efrem und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag!

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Unser Heute

„Ukraine, Taiwan, Gaza – und lasst uns auch Eritrea, Sri Lanka, Simbabwe nicht vergessen.

Pandemie, Klimawandel, Inflation.

Versagende Religionsgemeinschaften.

Und heute, in dieser Gegenwart, begehen unsere jüdischen Geschwister den 9. Av, das Gedenken an die Zerstörung des Zweiten jüdischen Tempels im Jahr 70 nach Christus. Trauer hängt spürbar über der Stadt, die uns Christen auch nicht kalt lassen kann.

Eine Mischung aus Zukunftsängsten, Wut, Niedergeschlagenheit und manchmal auch Verzweiflung und Zynismus liegt in der Luft.

Das ist unser Heute! Und heute versammeln wir Getaufte uns um dem Altar, um ein anderes Heute, nämlich das wöchentliche Osterfest, zu feiern.
In dieser Stimmungslage dürfen wir heute die Worte aus dem 11. Kapitel des Hebräerbriefs hören. Zur Zeit der Abfassung dieses Briefes, wohl um 90 oder 100 n.Chr., ist die missionarische Aufbruchsenergie, die etwa in den Briefen des Heiligen Paulus spürbar ist, längst verflogen. Desillusion klingt zwischen den Zeilen hindurch – willkommen in der heutigen allgemeinen Gefühlslage!

Der Verfasser des Hebräerbriefs spannt einen weiten Bogen in das Alte Testament: Abel, Henoch, Noach und vor allem Abraham und Sara. Diese ‚Wolke der Zeugen‘ steht für die Treue Gottes zu seinem Volk Israel, in das wir durch die Taufe als wilder Schössling eingepfropft sind. Die hier Genannten haben sich festgemacht in Gott – und Gott hat das Vertrauen dieser Glaubenden nicht enttäuscht.

Dies sich zu vergegenwärtigen ist so wichtig! Wenn die Kirche zu Gott betet, begnügt sie sich niemals ihn um etwas zu bitten, sondern erinnert zu Beginn jedes Gebets immer zuerst an das Heilshandeln Gottes in der Geschichte. Unser Glaube hat nämlich ein tragendes Fundament, das uns auch Kraft und Zuversicht für die Gegenwart und Zukunft geben kann!

Meine jüdischen Freunde beschreiben – halb im Scherz, halb im Ernst - das Wesen ihrer Religion gerne oft so: ‚Sie wollten uns umbringen, wir haben überlebt, lasst uns essen und feiern!‘ Vielleicht können wir unser sonntägliches Tun analog beschreiben: ‚Unser Leben ist in Bedrängnis und wir haben Angst vor dem Tod, ein anderer hat sein Leben für uns hingegeben und den Tod vernichtet, lasst uns mit ihm Mahl halten und feiern!‘“

Pater Nikodemus und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag!

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Kostbar-zerbrechlich

„Liebe Schwestern und Brüder,
wann haben Sie zuletzt mit Seifenblasen gespielt? Oder welche gesehen? – Wenn Sie sich jetzt Seifenblasen vorstellen, einzelne oder einen ganzen Schwarm aus einem Automaten, was sehen Sie dann, was empfinden Sie?

Die Blasen, im freien Flug vom Wind getragen, die Lichteffekte im bunten Spiel der Sonnenstrahlen…

Und dann ist es auch ganz schnell vorbei. Geplatzt. Vergangen. – Windhauch, sagte Kohelet, alles Windhauch. Seifenblasen sind vielleicht ein Bild dafür.
Ähnlich zart, glitzernd, filigran und schön, verspielt und kostbar können Glaskugeln wirken. Nicht die massiven Kristallkugeln, in denen mancher seine Zukunft sucht, sondern solche wie Christbaumkugeln, nur eben ohne Farben oder Gold - durchsichtige, klare Kugeln aus einer dünnen Glashülle. Und wehe, wenn sie fallen, denn anders als Seifenblasen können Glaskugeln nicht fliegen.

Zerbrechlich sind beide. Wer sie grob und unachtsam anfasst, zerdrückt sie. Gewalt hält nicht.

Halten und festhalten. – Das ist eines der Leitmotive unserer heutigen Schrift-Lesungen: Kohelet, für manche geradezu die Ikone biblischen Weltschmerzes, relativiert sehr vereinfacht und zugleich plakativ alles menschliche Streben nach ‚Besitz durch Wissen, Können und Erfolg‘, wie Kohelet schreibt: Windhauch, alles Windhauch. Man kann es nicht festhalten, und auch einen selbst vermag es nicht zu halten. Weder mein Besitz noch meine Weisheit, auch nicht meine Sorgen und Ängste. Nichts. – Alles verfliegt und vergeht, wird dünner und zerreißt wie Seifenblasen.

Es wäre vielleicht eine verständliche menschliche Reaktion, zumindest den Augenblick zu genießen, sich der Leichtigkeit und dem Glanz der Seifenblasen bewusst zu ergeben, sich daran zu freuen, solange sie eben da sind. – Im Kolosserbrief warnt Paulus aber die Christinnen und Christen ausdrücklich davor: Irdisches, ungezügelte Leidenschaften, gottvergessener Götzendienst, all das führt weg vom wahren und ewigen Leben, entfernt uns von der Wahrheit und Liebe Gottes, der uns in Christus zu neuen Menschen machen will. – Der alte Mensch, der festhalten will, der ist in Christus gestorben, der neue Mensch wird eins und heil und frei in Christus.

Festhalten wollte auch der reiche Bauer im Gleichnis Jesu im Evangelium. Seine Planungen und Gedanken sind eigentlich logisch und klingen verantwortungsvoll. Doch Jesus demaskiert auch in ihnen die Seifenblasen unseres Denkens und Planens: In der nächsten Nacht schon kann alles vorbei sein.

Fast schmerzhaft ist der Einstieg in das Gleichnis, als ein Mann auf Jesus zukommt, weil er mit IHM offenbar die Vorstellungen von Gerechtigkeit und Teilen verbindet. Was sollte daran falsch sein? Aber Jesus kanzelt ihn schroff ab! – Auch Jesus, auch Gott selbst, kann im Letzten nicht festgehalten werden. Gott lässt sich nicht von unseren Wünschen und Ideen definieren, seien sie auch noch so gut gemeint und edel. Gott lässt sich nicht festlegen und festhalten.

Wo wir IHN mit unseren allzu kleinen Gottesbildern und Projektionen konfrontieren, zerplatzen sie wie eine Seifenblase, die man mit der Hand fangen möchte. Gott ist nicht verfügbar und nicht instrumentalisierbar. – Vielleicht einer der herausforderndsten und zugleich wichtigsten Impulse für uns, die wir in einer Zeit leben, in der manches, was in Kirche und Gesellschaft kostbar und wichtig erschien, sich doch eher als Seifenblase herausstellt: allzu Irdisch, besitzorientiert, Gespinst des Geistes, Windhauch, Götzendienst.

Seifenblasen können allenfalls mit Tricks, Wasser und Seife auf der Haut, in die Hand genommen werden. – Glaskugeln hingegen kann man anfassen, auch wenn sie zerbrechlich sind. Man darf aber nicht drücken. Man kann sie nicht werfen, ohne dass sie zerspringen.

Worauf also kommt es in unserem Leben an? Was ist wichtig? Was bleibt? ‚Das, was oben ist‘, sagt Paulus; das, was ‚dem neuen Menschen‘ entspricht, ‚der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um IHN zu erkennen‘. – Gott erkennen, das ist es worauf es ankommt in unserem Leben. Und ich glaube, dass so manches, was wir von Gott in diesem Leben erkennen, auch nur eine Glaskugel ist: kostbar und zart, aber auch zerbrechlich und mit Vorsicht und in Demut zu behandeln.

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche Ihnen und Euch im Sinne unseres Tagesheiligen Ignatius von Loyola die Gabe der Unterscheidung der Geister, damit wir die vielleicht schönen, aber letztlich unwichtigen Seifenblasen in unserem Leben erkennen und weiterfliegen lassen können, und damit wir auch die Glaskugeln auf unserem Weg zu Gott erkennen und wertschätzen und entsprechend mit ihnen umgehen können: Momente des Glücks, der Versöhnung und Heilung in unseren Beziehungen untereinander; Erfahrungen einer inneren Freiheit und eines inneren Friedens, wie sie den Kindern Gottes geschenkt ist; die vielleicht kurzen Einblicke in das ‚Oben‘ und die kleinen Schritte auf dem Weg unserer Neuschöpfung in der Kraft des Heiligen Geistes, im Namen des Sohnes, in der Ewigkeit des Vaters.“

Pater Basilius und alle Brüder in Jerusalem und Tabgha wünschen Euch einen gesegneten Sonntag.

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Herr, lehre uns beten!

„‘Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat‘ - der Jünger, der diese Bitte im Lukasevangelium ausspricht, hat als Jude von Kindesbeinen an gelernt zu beten. Aber die Jünger erleben Jesus im Gebet, und das macht sie unsicher: Ist unsere Art zu beten richtig? Wie betet Jesus? Die Jünger sind neugierig. Doch Jesus entfaltet keine Gebetslehre vor seinen Jüngern; er lädt sie ganz einfach ein: ‚Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, …‘. Abba, Vater, Papa – so reden Kinder ihren Vater an, wenn sie von ihm etwas wollen. Und so, voller kindlichem Vertrauen, sollen die Jünger Jesus sich Gott im Gebet nähern.

Der fragende Jünger, ein gläubiger Jude, hat gelernt, sein Gebet mit einer feierlichen Anrede zu beginnen, so wie wir das auch kennen: „Allmächtiger, ewiger Gott, Herr des Himmels und der Erde.“. Der Unterschied zwischen Gott und uns armen Sündern wird herausgestellt. Jesus beginnt sein Gebet stattdessen sehr direkt: ‚Abba/Vater, …‘. Auch ein feierlicher Schluss fehlt, im Lukasevangelium endet das Vater Unser einfach mit der letzten Bitte: ‚und führe uns nicht in Versuchung!‘. So endet es einfach: Ich höre jetzt höre auf zu beten, aber das Gebet geht weiter. Wir sind es gewohnt das Vater Unser mit einem feierlichen Schluss zu beenden: ‚Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.‘ So oder ähnlich enden die Gebete auch im Judentum. – Wie der Evangelist Lukas das Gebet Jesu überliefert, passt es eigentlich nicht in feierliche Gottesdienste, es ist Gebet im Alltag, für den Alltag. Drum ist es auch von vorn bis hinten ein Bittgebet, das Gebet der einfachen Leute; sie bringen, ohne Umschweife, ihre alltäglichen Sorgen zu Gott hin: ‚Gib uns das tägliche Brot, das wir brauchen, erlass uns unsere Sünden, und führe uns nicht in Versuchung.‘ In den täglichen Sorgen und Nöte gebraucht man keine großen Begrüßungszeremonien, man kommt gleich zur Sache. Ich brauche Gott nicht zu sagen, wer er ist.

Es ist Geschenk für unseren Glauben und für unser Beten, dass uns das Vater Unser in zweifacher Form überliefert ist: Im Matthäusevangelium in einer etwas feierlicheren Form für das Gebet im Gottesdienst, in der Gemeinschaft, und im Lukasevangelium in der schlichten Sprache. Im Lukasevangelium wird uns gelehrt, wie unsere Grundhaltung zu Gott sein soll: freundschaftlich, voll Zutrauen, zutraulich, wie es einem Kind, das sich an den Vater schmiegt, zu eigen ist. Vielleicht sollten wir auch diese Fassung des Vater Unser auswendig lernen, damit wir wissen, wovon unser Beten geprägt sein soll: von kindlichem Vertrauen!“
Pater Zacharias und alle Brüder in Tabgha und in Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag!

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