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"Auf, mir nach!"

22. Januar 2023

!1!„Beim ersten Hören des heutigen Evangeliums könnte man denken: Der Evangelist Matthäus berichtet, wie Jesus am See Genezareth Männer vom Fischfang wegruft, damit sie künftig Menschen fangen, um sie in das Schiff der Kirche einzuholen. Doch von einem besonderen Auftrag für Petrus und seine Kollegen ist hier nicht die Rede. Erst später, in Matthäus 10, spricht der Evangelist von der Berufung des Petrus und der anderen Apostel und ihrer Aussendung mit einem besonderen Auftrag.
Heute im Evangelium geht es um die Jüngerschaft, die jeden angeht, der sich von Jesus rufen lässt. Das Leben des Jüngers muss sich ändern, er oder sie muss der Güte und Menschenfreundlichkeit Jesu Raum geben. Denn in ihm ist die Gottesherrschaft nahegekommen.
Sicher waren Petrus und sein Bruder Andreas, Johannes und sein Bruder Jakobus bei ihrer Arbeit am See dem Prediger Jesus schon begegnet. Vielleicht hatten sie erlebt wie Jesus die Menschen an sich zieht und in seinen Bann zieht. In Petrus und seinen Berufskollegen war schon eine innere Sehnsucht gewachsen, so dass Jesu Ruf ‚Auf, mir nach!‘ auf fruchtbaren Boden fällt und sie alles stehen und liegen lassen, um ein anderes, neues Leben zu beginnen. Mit ihnen beginnt Jesus seine Sammlungsbewegung; das ist der Anfang des neuen Gottesvolkes. Die Jünger müssen zuerst ein neues Miteinander in Gemeinschaft mit Jesus erfahren, wo nicht mehr Menschen über Menschen herrschen, sondern alle Schwestern und Brüder und Kinder des himmlischen Vaters: Das Reich Gottes ist nahe!
‚Auf, mir nach!‘ – Jesu Ruf gilt uns allen! Jede und jeder von uns, mich eingeschlossen, sollen in die Fußstapfen Jesu treten – je nach unseren individuellen Möglichkeiten. Für diesen Ruf gibt es keine Stimme, die vom Himmel fällt. – Es waren Menschen, einfache, aber überzeugte Christen, die mir den Weg zu Jesus gezeigt haben. Ich denke an meine Eltern, den offenen und freundlichen Pfarrer in meiner Kinder- und Jugendzeit, und Josef Maria Reuss, der Regens des Mainzer Priesterseminars, der uns Primanern Exerzitien gab. So stand ich eines Tages vor der Frage meines Vaters: ‚Was willst du eigentlich aus deinem Leben machen, was willst du denn nach dem Abitur studieren?“
Petrus und seine Gefährten sahen an ihrem Arbeitsplatz einen Menschen, diesen Jesus von Nazareth, der sich zunächst in nichts von ihnen unterschied. Aber er sprach in einer einmaligen Weise von Gott, seinem Vater, der der Herr seines Lebens war, der auch der Herr ihres Lebens sein sollte. Als gläubige Juden hatten sie das in ihren Gebeten schon gehört. Aber jetzt steht dieser Jesus vor ihnen, der das in seinem Leben verkörpert. Darum folgen sie seinem Ruf. Sie gehen das Wagnis ein, ihr bisheriges Leben aufzugeben und ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. So fangen sie an, zu verstehen und zu begreifen, wie das aussieht: ein Leben unter der Herrschaft Gottes. – Und erst mit ihrer Erfahrung vom Leiden und dem Kreuzestod Jesu und seiner Auferstehung kommt dieser Lernprozess an ein Etappenziel. ‚Auf, mir nach!‘, dieser Ruf Jesu an uns, an mich, schließt unser ganzes Leben ein, erst im Tod kommt er ans Ziel!“
Pater Zacharias und alle Brüder in Tabgha und Jerusalem wünschen Euch einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

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