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Begegnungsstätte Tabgha

Beit Noah - unser Haus für israelische und arabische Behinderte und Kriegsverletzte, Kinder und Jugendliche

"Als Jesus die vielen Menschen sah, ward ihm weh um sie ..."

Gruppe palästinensischer Behinderter und ihrer Angehörigen mit Mönchen unserer Gemeinschaft

So übersetzt der frühere Bibelwissenschaftler aus Tübingen, Fridolin Stier, den Beginn des Berichtes von der Speisung der Fünftausend, den wir im Markus- und Matthäus-Evangelium vorfinden. Hier in Tabgha gedenken wir dieses Ereignisses aus dem Leben Jesu in seiner Begegnung mit den Menschen. "Als Jesus die vielen Menschen sah, ward ihm weh um sie..." - so könnte auch der Blick Jesu auf die heutige Situation im Land beschrieben werden.
Die einen leiden unter den unberechenbaren Terroranschlägen, die anderen unter der unterdrückenden Besatzung. Beide, Israelis und Palästinenser, fühlen sich verunsichert wie noch nie. Unterdessen dreht sich der blutige Reigen der Gewalt weiter.
In solchen Zeiten verlieren die Menschen, die eh schon am Rande der Gesellschaft stehen, noch mehr an notwendiger Aufmerksamkeit und Unterstützung; - ich meine die körperlich und geistig behinderten Menschen unter uns, die seit ihrer Geburt oder in Folge von kriegerischen Auseinandersetzungen ein schweres Leben führen.
Nach Tabgha, dem Ort des Siebenquells, im Garten unseres Benediktinerklosters, kamen vor über zwanzig Jahren erstmals Kinder aus einem SOS-Kinderdorf in Betlehem im Rahmen eines recht improvisierten Aufenthalts. Die Kinder kehrten wie ausgewechselt aus Tabgha wieder nach Hause zurück. Das war der Beginn der Jugend- und Behinderten- Begegnungsstätte.

Im Rahmen der Grundsteinlegung zur 1982 vom Deutschen Verein vom Heiligen Land fertiggestellten neuen Brotvermehrungskirche wurde betont, daß die Erinnerung an die Brotvermehrung Zeichen und Aufruf zur Barmherzigkeit werden sollte.
Die Palästinenserin Frau Dr. Sumaya Farhat-Nasar - sie erhielt die Ehrendoktorwürde der theologischen Universität in Münster - schrieb über die Arbeit in Tabgha nach der ersten Intifada: "Ein kleiner Beitrag zur Verständigung war 1988 in Tabgha möglich geworden. Dort gab es ein Erholungszentrum für behinderte Kinder. Es gelang mir, mit dem Prior des Klosters und mit dem deutschen Leiterpaar ein Projekt für invalide und verwundete palästinensische Jugendliche zu verwirklichen, die an den Folgen von Schußverletzungen litten. Oft habe ich selber Gruppen von fünfzehn bis dreißig Verletzten aus Gaza, Jerusalem und Nablus nach Tabgha geschmuggelt. An diesem humanitären Einsatz beteiligten sich erstmals gemeinsam palästinensische und israelische Ärzte."

Mittlerweile kommen seit 22 Jahren regelmäßig körperlich und geistig behinderte Jugendliche und Erwachsene, Israelis und Palästinenser, Juden, Christen und Muslime ins sogenannte "Beit Noah" (Haus Noah), um in ihrem belasteten Lebensalltag Erholung zu finden an Körper, Geist und Seele. Sie bringen ihre Begleiter und Betreuer mit und wir stellen ihnen gratis die Unterkunft zur Verfügung an diesem in seiner Natur paradiesischen Fleckchen Erde. Für Palästinenser ist Tabgha überhaupt der einzige Ort im ganzen Land, wo sie zur Erholung hinfahren können. Der Satz Jesu kann einem hier leicht zur Erfahrung werden: " als er die vielen Menschen sah, ward ihm weh um sie..." Wir liegen hier im Norden Israels in einer militärpolitisch absolut ruhigen Lage "fern ab vom Schuß" - im wahrsten Sinne des Wortes - und sind dankbar, diese Weise der Gastfreundschaft als konkreten Beitrag zum Frieden leben zu können.

In den letzen Jahren konnten einige Palästinenser wegen verhängter Ausgangssperre nicht zu uns kommen. Dafür waren vermehrt Behinderte aus arabischen Einrichtungen aus Jerusalem, sowie Behinderte aus israelischen Institutionen bei uns. Jährlich erreichen wir bis über 6000 Übernachtungen.

Unser altes Beit Noah, das 1974 mit freiwilligen Helfern zum Haus für Behinderte umgebaute alte Stallgebäude, war mittlerweile so renovierungsbedürftig geworden, daß ein Neubau unumgänglich war. Dem bisherigen Haus fehlten Fundamente; der abschüssige Boden war für Rollstuhlfahrer beschwerlich; es zeigten sich Risse in den Wänden; das Holz im Dachstuhl wurde morsch; die sanitären Anlagen waren nicht behindertengerecht.

Die Baufälligkeit des alten Hauses drängte uns äußerlich, den Bau eines neuen Hauses zu wagen; und es drängte uns innerlich, gerade in der jetzigen hoffnungslosen Situation ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. Durch die Unterstützung zahlreicher Spender ist der Neubau möglich geworden; das neue Beit Noah kann nun seit Frühjahr 2004 belegt werden. Neben Einzelspendern haben uns der Deutsche Verein vom Heiligen Land, der Freundeskreis der Benediktiner und das Kindermissionswerk geholfen.

Das neue Beit Noah

Allen Spendern herzlichen Dank!

Auch weiterhin können Sie unser Beit Noah durch Ihre Spenden unterstützen. Wir danken Ihnen bereits im voraus mit einem Segensgruß aus Tabgha am See Genesareth.

Im Gebet um den Frieden Gottes verbunden

P. Jeremias Marseille OSB
Prior des Benediktinerklosters Tabgha



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Der Freundeskreis der Benediktiner (Anschrift: Jochen Borgmeier, Grassenberg 17, 59872 Meschede) verwaltet für uns die Spenden, die ausschließlich dem Beit Noah zukommen, kostenfrei, und stellt auf Anfrage Quittungen über Spenden für "caritative Zwecke" aus.