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Neue
CD und Konzerte zur Passionszeit: „Kreuzweg“

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Als gemeinsames Projekt der Abtei
Dormitio und der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten
in Wien ist im vergangenen Jahr eine neue CD entstanden und erscheint
nun rechtzeitig zur Passionszeit.
Die Stiftsorganistin der Schottenabtei, Zuzana M. Magdalena
Ferjenčíková, spielt auf der großen
Mathis-Orgel der Schottenbasilika den „Chemin de la
Croix“ von Marcel Dupré. Die einzelnen Stationen
erklingen dabei im Dialog mit Gregorianischen Gesängen der
Schola der Abtei Dormitio.
Das umfangreiche Mediabook (CD-Buch), in dem diese Doppel-CD erscheint,
möchte nicht nur Hilfen zum Verständnis der Musik und
der Texte anbieten, sondern die Hörenden vor allem in die
geistliche Tiefe der Musik führen. Die Aufnahme und das Buch
verstehen sich so als Einladung zu einem hörenden Eintreten in
das Geheimnis des Leidens des Herrn, und zu einem betenden Mitvollzug
seines Kreuzweges.
Wir stellen die CD mit vier Konzerten
vor:
Freitag, 26.2.2010, 20 h
Basilika Unserer Lieben Frau zu den Schotten, Freyung 6, Wien
Dienstag, 2.3.2010, 19.30 h
Dominikanerkirche St. Andreas, Komödienstr., Köln
Donnerstag, 4.3.2010, 19.30 h
Basilika St. Godehard, Lappenberg, Hildesheim
Sonntag, 14.3.2010, 18 h
Abtei Dormitio BMV, Mount Zion, Jerusalem
Zuzana M. Maria Ferjenčíková,
geboren 1978 (Slowakei). Studien bei: J. V. Michalko (Bratislava), P.
Planyavsky (Wien), Jean Guillou (Paris). 2000-2008 Professorin
für Orgel und Orgelimprovisation an der Hochschule
für Musik in Bratislava. Seit 2006 Stiftsorganistin der
Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien
– künstlerische Leitung des Internationalen
Orgelfestivals „Dialogues Mystiques“.
1. Preise:
Internationaler Wettbewerb für Organisten Opava 1996,
Internationaler Orgelwettbewerb Brünn 1997, Internationaler
Orgelwettbewerb „PremioValentino Bucchi“ Rom 2003,
Internationaler Orgelimprovisationwettbewerb in Haarlem, Niederlande
2004.
Zum
„Kreuzweg“ von Marcel Dupré
Marcel Dupré (1886-1971), anerkannter Komponist der
geistlichen katholischen Orgelmusik und bekanntester Orgelvirtuose
Europas, schreibt in seinen Erinnerungen: „… in
Brüssel wurde die Idee zu einem meiner Hauptwerke geboren, zum
Chemin de la Croix. Ein Konzert besonderer Art war dort im
Konservatorium veranstaltet worden; sein zweiter Teil umfaßte
nach einem kurzen Bach-Vortrag auf der schönen
Cavaillé-Coll-Orgel den Chemin de la Croix von Paul Claudel;
er wurde von Madame Renaud-Thévent … gelesen,
während ich nach jeder Station eine musikalische Ausdeutung
improvisierte. Das war in der Fastenzeit, am 13. Februar
1931.“
Das Publikum war so begeistert, dass man Dupré
„zwang“, die Improvisationen nachträglich
aus dem Gedächtnis aufzuschreiben. Ein Jahr später
wurde der Kreuzweg in Paris uraufgeführt. Dieses
Stück gehört wohl zum Schönsten, das in der
Geschichte der Musik je zum Thema „Passion Christi“
komponiert worden ist. Mehr noch: es vergegenwärtigt beinahe
das Leid Christi, seine Angst, seine Wunden, seine Liebe zu den
Menschen und ihre Hoffnung. Es läßt den
Zuhörer durch die Berührung aller Sinne die Bilder
der Kreuzwegstationen innerlich miterleben und sie glauben.
Zuzana M. Maria
Ferjenčíková
Aus
der „Geistlichen Einführung“ zur CD
„Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der
kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14,27)
Schon in früher Zeit sind christliche
Pilger ins Heilige Land
gezogen, um die Orte des Lebens und Wirkens Jesu aufzusuchen und dort
zu beten. Einige dieser Stätten sind historisch
glaubwürdig belegt, andere wurden sicher
„pilgergerecht“ arrangiert.
Die Frage nach der Stimmigkeit dieser heiligen Stätten darf
sich allerdings, so meine ich, nicht nur an geschichtlich gesicherten
Fakten bemessen. Es geht nicht allein darum, die Ereignisse des Lebens
Jesu topographisch zu bestimmen, sondern vielmehr, den Menschen Orte zu
geben, wo sie in das Leben Jesu selbst eintreten, die Güte und
das Heil seines Handelns am eigenen Leben erfahren können. ...
Meist gilt die Kreuzwegandacht als ein Phänomen der
„Volksfrömmigkeit“. Im guten Sinne ist sie
das auch, dennoch es geht um mehr. „Wer nicht sein Kreuz
trägt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger
sein“, sagt der Herr. Für jede und jeden von uns ist
er den Weg nach Golgotha gegangen, und so sind wir alle gerufen, mit
ihm zu gehen, selbst einzutreten in dieses Geschehen, das nicht einfach
zweitausend Jahre zurückliegt, sondern für die
Glaubenden aller Zeiten eine gleichermaßen gültige
Wirklichkeit ist. Wer sich auf diesen Weg macht, sei es auf dem
Schulhof der Omarija-Schule in Jerusalem, wo einst das
Prätorium des Pilatus gelegen haben soll, oder wo auch immer
in der Welt, vollzieht damit nicht irgendeine
äußerliche Frömmigkeitsübung,
sondern gibt sich mit seinem Beten hinein in eine Wirklichkeit, die ihn
überschreitet, die von Gott her auf ihn zukommt.
Im Besonderen geschieht das in der Musik: Wenn wir sie hören,
sind wir immer schon mitten darin, nicht einfach ihr
gegenüber. Sie entfaltet sich nicht allein im Raum, sondern
vor allem auch in der Zeit. Zu einem Bild oder einer Skulptur
können wir den Bezug aufheben, indem wir uns abwenden oder die
Augen schließen. Der Musik aber können wir uns nur
entziehen, wenn wir den Raum verlassen oder die Zeit meiden, wo sie
erklingt. So nimmt uns auch der Kreuzweg von Marcel Dupré
von sich her hinein in das Geheimnis, dem er Ausdruck geben will, und
schreitet den Weg mit uns ab. Wenn wir uns hineinbegeben, vermag die
Musik uns im Inneren unseres Herzens zu ergreifen, uns mit sich zu
führen und über uns hinaus, hin zum Herrn. Dann wird
sie im tiefsten Sinne Gebet, und auch wenn sie von außen zu
uns kommt, wird sie unser je eigenes Gebet.
Die gregorianischen Gesänge zwischen
den einzelnen Stationen
gehören zur Liturgie der Heiligen Woche. Sie sind nicht
Ausschmückung eines Ritus, sondern selbst Liturgie, sind
lebendiger Vollzug und Ausdrucksgestalt jenes Heiles, das Gott uns an
jedem Tag und an jedem Ort schenkt. Orgelmusik und Gesang dieser
Aufnahme wollen uns den Raum und die Zeit geben, wo sich das, wovon sie
singen und spielen, von Gott her an uns ereignen kann.
Die „Via Dolorosa“ in Jerusalem findet ihr Ziel in
der Grabeskirche. Auf Griechisch heißt sie
„Anastasis“, Auferstehung. Bei aller Trauer und
allem Schmerz, auch in unserem eigenen Leben, dürfen wir als
Glaubende nicht vergessen, dass jenes Grab, in das Jesus nach seinem
Leiden gelegt wurde, vom Ostertag an für alle Zeit das leere
Grab ist. Nicht der Tod behält das letzte Wort, sondern ein
Leben, das alle Vorstellungskraft übersteigt. Der Weg nach
Ostern führt für den Herrn wie auch für uns
alle nur durch das Leid des Karfreitags, zugleich aber erhält
das Leid seinen christlichen Sinn erst aus der Auferstehung, in der es
überwunden wird. Weil die Sonne des Ostermorgens über
unser ganzes Leben scheint, dürfen wir das Leiden und Sterben
des Herrn feiern, denn es führt in unser Heil hinein. Auch in
der Musik zur Passion darf und muss deshalb jene Schönheit und
Güte aufstrahlen, für die Gott uns von Anfang an
geschaffen hat, ist doch die Musik selbst ein Teil der guten
Schöpfung Gottes. Möge diese tiefe Freude, die
Christus uns auf wunderbare Weise neu geschenkt hat, in der Musik
dieser Aufnahme uns als österliche Menschen erfüllen.
P. Ralph Greis OSB
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